Einschub: Mobiles Lehren und Lernen lernen

Bevor ich auf die Notwendigkeit einer neuen Lernkultur eingehen werden, möchte ich mein bisheriges Portfolio um einen Problembereich des mobilen Lehrens ergänzen.

In unserer letzten Seminarsitzung referierte der iPad-Lehrer André Spang über Lehren mit Mobilen Endgeräten. Herr Spang ist Koordinator des iPad-Projektes an einem Kölner Gymnasium. In der Abschlussdiskussion erwähnte er einen interessanten Aspekt und Problembereich beim Lehren und Lernen mit mobilen Endgeräten, welchen ich bislang in meinem Portfolio ignoriert hatte:

Herr Spang erwähnte, dass seine SchülerInnen ihre mobilen Endgeräte hauptsächlich passiv konsumieren und weniger damit kreativ arbeiteten. Im Unterricht würden die Jugendlichen Projekte mithilfe der iPads umsetzen: Filme drehen, Musik komponieren und aufnehmen, eBooks und Wiki-Einträge erstellen usw. Hierfür fehlt jedoch den meisten Jugendlichen die Kompetenz. Die müssten sie sich erst aneignen – in der Schule!

Das Argument vieler Kritiker, dass Jugendliche die mobilen Endgeräte viel besser beherrschten als die Lehrenden selbst, trifft demnach nicht immer zu. Jedoch muss berücksichtigt werden, dass auch LehrerInnen erst herausfinden müssen, was mobile Endgeräte alles können und wie sich damit der Unterricht gestalten lässt.

Neue Probleme

Ich möchte damit einen vierten Problembereich einführen: den theoretischen Problembereich. Dieser zielt hauptsächlich auf die Kompetenzen der Lehrer ab, mobil zu lehren. Jedoch soll hierbei auch eine weitere Problematik berücksichtig werden:  SchülerInnen müssen ebenfalls lernen, mit mobilen Endgeräten zu arbeiten – und zwar PRODUKTIV!

Wie kann ich iPad, Handy und Co. im Unterricht einsetzen? Wie bringe ich den Schülern das kreative arbeiten am Gerät bei? Diese Kompetenzen sind quasi Voraussetzung für Projekte wie diese von André Spang. Sie werden damit in der Nummerierung vor dem praktischen Problembereich aufgeführt.

Insgesamt wurden folgende Problembereiche beim mobilen Lehren identifiziert:

  1. Sozialer Problembereich (z.B. Gefahr für das Soziale Miteinander, Cyber-Mobbing, in Anlehnung an Seipold, 2013, S. 35)
  2. Rechtlicher Problembereich (z.B. Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Urheberrecht, Verbot der Nutzung von sozialen Medien in der Schule – in Anlehnung an Seipold, 2013, S. 35)
  3. – NEU – Theoretischer Problembereich (Kompetenzen für mobiles Lehren und Lernen)
  4. Praktischer Problembereich (z.B. Störungen des Unterrichts durch Handyklingeln, Umsetzung von Mobile Learning)

Geklingel, Display-Starren, Nacktfotos: „Soll das der Lernort Schule sein?“

Der Einsatz von Handy, Tablets und Konsorten im Schulunterricht klingt doch eigentlich super: Jeder Schüler lernt so schnell und so viel, wie er kann und erledigt seine Aufgaben selbstständig und eigenverantwortlich. Der Lehrer ist nicht mehr der Pauker, sondern ein Moderator. Gruppenarbeiten oder alleine, Videoeinsatz, Rallys, Präsenationen – mit mobilen Endgeräten lässt sich der Unterricht vielfältiger gestälten. Und nebenbei eigenen sich die Schüler Medienkompetenz und damit ein Bewusstsein für den verantwortungsvollen Umgang mit Mobilen Endgeräten an.


Quelle: Youtube-Kanal von RTL2News

Doch das Arbeiten mit mobilen Endgeräten und damit eine konstruktivistische Lerntheorie werden nicht überall euphorisch begrüßt, sondern – gerade von LehrerInnen – durchaus kritisch gesehen. Auch in den Medien werden die im vorigen Beitrag erwähnten Handyverbote an Schulen kontrovers diskutiert. Als Beispiele seinen hier die Kommentare von Trauthig und Eberhardt (2014, Stuttgarter Zeitung Online) sowie die Berichte von Klesmann (2012, Berliner Zeitung Online) und Straush (2013, Sueddeutsche.de) erwähnt.

In den Leserkommentaren der jeweiligen Artikel verteidigen User, offensichtlich Lehrer, die Handyverbote. Hier wird in der Hauptsache kulturpessismistisch argumentiert: Das Handy als Zerstörer vom sozialen Miteinander.

„Nur den LehrerInnen ist es immer negativer aufgefallen, dass die SchülerInnen immer weniger miteinander, also den realen Personen vor Ort, kommunizieren, in den Gängen rumhängen und auf Displays schauen. Deshalb haben wir uns in der Pflicht gesehen, hier eine pädagogische Entscheidung zu treffen. . . . Wir haben hier entschieden, dass die freie Verfügbarkeit eines Handys die pädagogische Arbeit an unserer Schule gestört. Dieses Problem haben wir nun seit mehreren Jahren gelöst und können uns daher mehr auf andere Bereiche konzentrieren.“ (Kommentator 1 zit. nach Trauthig & Eberhardt, 2014)

„Und wärend [sic!] den Pausen hingen dutzende Schüler am Display und noch mehr hörten über Kopfhörer Musik. Soll das der Lernort Schule sein? Ein Ort ohne persönlicher Kommunkation [sic!], womöglich noch mit geringem Bewegungsanteil? Wir haben uns dagegen entschieden“ (Kommentator 2 zit. nach Trauthig & Eberhardt, 2014).

Allerdings werden auch Unterrichtspraktische Argumente aufgeführt:

„Seit dem Handyverbot auf unserem Schulgelände gibt es eigentlich keine Unterrichtsstörungen durch irgendein Klingeln, davor schon“ (Kommentator 2 zit. nach Trauthig & Eberhardt, 2014).

Oftmals wird ein Handyverbot nach einem Skandal eingeführt, der mit mobilen Endgeräten in irgendeiner Form zu tun hatte. An meinem Gymnasium wurde das Verbot eingeführt, nachdem Nacktfotos einer Schülerin kursierten, die sie ihrem Ex-Freund geschickt hatte. Am einem Berliner Gymnasium durften Mobiltelefone nicht mehr genutzt werden, nachdem sich ein Schüler dabei filmen ließ, wie er mit heruntergelassener Hose den Schulgang entlangflitzte. Die Aufnahmen landeten danach – ohne die Erlaubnis des Flitzers – im Netz (vgl. Klesmann, 2012). Doch auch die Lehrer selbst sind nicht sicher vor Handystreichen:

„Einmal ist auch ein Lehrer im Unterricht mit einem Smartphone heimlich gefilmt worden, während sich die Schüler offenbar absichtlich daneben benahmen“ (Klesmann, 2012).

Landen die Aufnahmen im Netz, ist der Ruf der Betroffenen meist ruiniert.

Der wissenschaftliche Diskurs

Doch auch in der Wissenschaft wird der Einsatz von Mobiltechnologien im Unterricht mit Skepsis betrachtet. Seipold (2013, S. 35) identifiziert hier zwei Argumentationslinien: Die kritisch-reflexive Argumentationslinie und die ethisch ausgerichtete Argumentationslinie.

Vertreter der kritisch-reflexiven Argumentationslinie lehnen eine allzu euphorische Haltung gegenüber mobilen Endgeräten ab. Zunächst strikt gegen den Einsatz von Mobiltechnologien im Schulalltag, entwickelten sich aus dem kritisch-reflexiven Forschungsumfeld Arbeitsgruppen heraus, welche vor allem medienpädagogische Aufklärungsangebote in Hinblick auf den Jugendmedienschutz zum Ziel haben. Die Kritisch-Reflexiven sind dabei keine strikten Handy-Gegner, vom schulischen Einsatz mobiler Endgeräte im großen Stil raten sie jedoch ab: „Sie favorisieren die Praxis der verantwortungsvollen Ermöglichung und tragen zu einer regulierten Akzeptanz mobiler Technologien in schulischen Kontexten und im Alltag bei“ (Seipold, 2013, S. 35).

Etwas näher an den Problemen der Lehrer sind die Vertreter der ethisch ausgerichteten Argumentationslinie. Hier stehen der Schutz der Persönlichkeitsrechte, aber auch „rechtliche Fragen zum Eigentum an Bild, Ton, Lernmaterialien etc.“ (Seipold, 2013, S. 35) im Mittelpunkt. Diese Argumentationslinie findet ihre Ursprüngen in dem oben beschriebenen Fehlverhalten der Schüler im Umgang mit mobilen Endgeräten: Schüler können die Konsequenzen eines Handystreichs und dessen virale Verbreitung nicht einschätzen. Darum scheinen die Schulen die Geräte lieber von vorneherein zu verbieten. Doch wo sollen Jugendliche denn Medienkompetenz erlernen, wenn nicht in der Schule!? Darum möchte die ethisch ausgerichtete Medienpädagogik praktikable Standards im Umgang mit Persönlichkeits- und Urheberrechten erarbeiten.

Die Einteilung der Skeptiker in zwei Argumentationslinien mag zwar für den wissenschaftlichen Diskurs ausreichend sein, es werden dabei jedoch nicht alle Zweifel der LehrerInnen in Hinblick auf den Einsatz von Handy und Co. im Unterricht berücksichtigt.

Die Ängste der LehrerInnen

Fasst man die Argumente der LehrerInnen und den wissenschaftlichen Diskurs zusammen, so lauern folgende Gefahren durch das Lernen mit mobilen Endgeräten:

1)    Störungen des Unterrichts (z. B. durch Klingeln, Nachrichtenschreiben etc.)
2)    Gefahr für das soziale Miteinander (z.B. wegen Displayfixierung)
3)    Verletzung von Persönlichkeitsrechten (durch Aufnahmen und deren virale Verbreitung)
4)    Cyber-Mobbing (z.B. durch Verbreitung von peinlichen Aufnahmen im Internet)
5)    Verletzung von Urheberrechten

Diese Gefahrenpotenziale lassen sich wiederum in die folgenden Problembereiche untergliedern:

  1. Sozialer Problembereich: z.B. Gefahr für das Soziale Miteinander, Cyber-Mobbing (in Anlehnung an Seipold, 2013, S. 35)
  2. Rechtlicher Problembereich: z.B. Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Urheberrecht (in Anlehnung an Seipold, 2013, S. 35)
  3. Praktischer Problembereich: z.B. Störungen des Unterrichts durch Handyklingeln (siehe Trauthig und Eberhardt, 2014), unzureichende Infrastruktur (zu wenige Computer wie bei Straush, 2013), Umsetzung von Mobile Learning

Ziel des Blogs soll sein, bereits vorhandene Lösungen für die einzelnen Problembereiche zusammenzutragen oder gegebenenfalls erste Lösungsansätze zu erarbeiten. Doch zuallererst stellt sich die Frage, die sich vermutlich viele der LehrerInnen stellen werden: Lohnt sich der Aufwand? Die bisherigen Unterrichtsmethoden funktionieren doch ebenfalls. Brauchen wir wirklich eine neue Lernkultur mit mobilen Endgeräten?

In ist, wer drin ist! – Mobiles Lernen als Herausforderung für Schulen

An den Universitäten sind Laptops und Tablets fest in den Lernalltag integriert: Skripte stehen online, Diskussionen werden in Foren geführt, Literatur wird geteilt. Mobile-Learning und E-Lerning sind an der Uni „in“. Dagegen wirkt die Haltung von Schulleitern und Lehrern geradezu verstaubt. An den meisten Schulen sind Mobile Endgeräte verboten. Vereinzelt finden sich Pilotprojekte für den Einsatz von Tablets und Handys im Schulunterricht. Die Mehrheit der Lehrer betrachtet Mobile Endgeräte als Lernmedien trotzdem mit Skepsis. Doch Mobile Endgeräte sind fest im jugendlichen Alltag integriert. Stimmen aus der Wissenschaft werden laut und fordern die Integration von Handy und Tablets im Unterricht. Das ist modern, das ist anders, das ist ein Trend. Angesichts der vielen Vorteile, welche Handy und Co. mit sich bringen, fragt man sich: Liebe Schule, wo liegt das Problem?

Die Einstellung vieler Lehrer gegenüber Mobilen Endgeräten wirkt "out".

Die Einstellung vieler Lehrer gegenüber Mobilen Endgeräten wirkt ziemlich „out“.

Störenfried Handy

Die ersten kommerziellen Handys kamen Mitte/Ende der 1990er auf. Anfangs nur zum Telefonieren und Simsen fähig, bauten Mobiltelefone im Laufe der 2000er schnell ihre Fähigkeiten aus: Spiele konnten gespielt, polyphone Klingeltöne heruntergeladen und Titel-Logos ausgewählt werden. Nach Einführung der Farbdisplays ließen Handy-Kameras und damit Foto- und Videofunktion nicht lange auf sich warten. Die Walkman-Handys von Sony integrierten schließlich einen MP3-Player – die Lieblingsmusik ließ sich somit auch vom Mobiltelefon abspielen. Für den Schulalltag bedeutete das: potenzielle Ablenkungen vom Lernstoff. Das Handy wurde in vielen Schulen als Störenfried des Unterrichts angesehen und daraufhin verbannt (Klesmann, 2012; Straush, 2013; Trauthig & Eberhardt, 2014).

Dann kam 2007. In diesem Jahr brachte die Firma Apple ihr iPhone auf den Markt. Das iPhone war nicht nur ein Mobiltelefon: Es war Telefon, PDA, Digitalkamera, MP3-Player, Spielekonsole und Navigationssystem in einem – ein Über-Handy, ein SMARTphone. Obwohl nicht das erste seiner Art, revolutionierte das iPhone die Mobile-Industrie: Playstation und Nintendo passten ihre tragbaren Kleinkonsolen den Fähigkeiten der Smartphones an, Ebook-Reader entwickelten sich zu Tablets weiter. Und der Trend setzt sich weiter fort: Handy und Co. werden mit jedem Monat leistungsfähiger.

Die Besonderheit der smarten Mobilen Endgeräte: Sie besitzen Internetzugang und verfügen über kleine Programme, sogenannte Apps, welche individuell heruntergeladen und installiert werden können. Darunter finden sich auch Lernapps.

Mithilfe Mobiler Endgeräte können nun Informationen recherchiert, Orte auf Google Maps nachgesehen, Lernvideos heruntergeladen, Dateien ausgetauscht, Texte geteilt, Powerpoint-Präsentationen erstellt, Aufgabenblätter und To-Do-Listen in der Cloud gemeinsam bearbeitet werden. Diese Liste ließe sich noch endlos weiterführen. Input können sich Lehrer auch vom Medienpädagogik Praxis-Blog holen. Im Kern zusammengefasst bedeutet dies: Handys und Co. sind nicht mehr nur als Störenfriede anzusehen. Im Gegenteil: Sie können den Unterricht bereichern. Ein Umstand, der das bisherige Handyverbot an Schulen in Frage stellt.

Gleichzeitig scheint ein Verbot Mobiler Endgeräte nicht mehr zeitgemäß. Laut der aktuellsten JIM-Studie besitzen fast alle Schüler – nämlich 99 Prozent – ein Handy. Dreiviertel der Schüler verfügen bereits über ein Smartphone (vgl. MFPS, 2013a, S. 51; 2013b; 2013c). Handy und Internet sind im jugendlichen Alltags etabliert und integriert (vgl. MPFS, 2013d). Mobile Endgeräte als feste Bestandteile der Jugendkultur vom Schulalltag auszuschließen, ist beinahe schon als realitätsfern bezeichnet (vgl. Seipold, 2013, S. 36; Trauthig & Eberhardt, 2014). Internet und Handy sind allgegenwärtig:

„Mit dem deutlichen Zuwachs beim Smartphone-Besitz geht auch eine größere Verbreitung des mobilen Zugangs zum Internet einher. Durch eine kostengünstige Flatrate haben mittlerweile drei Fünftel der Handy-Besitzer die Möglichkeit, das Internet vom Handy aus nahezu unbegrenzt zu nutzen“ (MPFS, 2013a, S. 52).

Die Frage lautet nun, warum Schulen diese Ressourcen für die Unterrichtsgestaltung nicht nutzen und Mobile Endgeräte weiterhin verbieten. Mobilem Lernen stehen viele mit Skepsis gegenüber (Seipold, 2013, S. 34-35). Wo liegen die Probleme der Schulen?

Problem 1: Keiner weiß so recht, was Mobile Learning ist. Das weiß nicht einmal die Wissenschaft selbst. Judith Seipold versucht in ihrem Aufsatz aus dem Jahr 2013 verschiedene Theorien, Ansätze und Konzepte bezüglich Mobile Learning zu systematisieren. Zu einer genauen Definition von Mobilem Lernen kommt sie dabei nicht. Konzepte, die sich nicht greifen lassen, sind jedoch für Alltagspraktiker (hier: die LehrerInnen) verwirrend. Genügt ein kurzer Ausflug in den Computerraum? Oder eine Mail vom Lehrer mit Youtube-Links zu Lernvideos? Lässt sich schon von Mobilem Lernen sprechen, wenn SchülerInnen Texte auf dem Tablet statt im Schulbuch lesen? Wissenschaftler und Lehrer sind sich hierbei unschlüssig. Aufgrund dieser Unschlüssigkeit können nur schwer konkrete Handlungsanweisungen für Mobiles Lernen im Schulalltag gegeben werden. Das ist aber genau das, was Lehrer benötigen.

Problem 2: Mobiles Lernen ist ein sehr junges Forschungsfeld (Seipold, 2013, S. 28). Es gibt bis auf wenige Pilotprojekte kaum Empirische Studien zu Handy- und Tabletnutzung im Unterricht. Keine Forschung, Keine Ergebnisse. Keine konkreten Ergebnisse bedeuten Skepsis, Zweifel und Abwehrhaltungen.

Problem 3: Mobile Endgeräte lassen sich nicht in die bisherigen Unterrichtsmodelle integrieren. Während des Frontalunterricht sind Handys eher störend. Jedoch nehmen die Erziehungswissenschaften mittlerweile Abstand von diesem behavioristischen Modell. Stimmen werden laut, dass Schüler individuell nach ihren Fähigkeiten und Wissensstand gefördert werden müssten. Diese Position ist hauptsächlich bei den Konstruktivisten, z.B. bei Reusser (2006) sowie bei Gestenmaier und Mandl (1995) zu finden. Genau diese Forderungen erfüllt Mobiles Lernen, wie es hier in diesem Blog verstanden wird:

Mobiles Lernen ist selbstbestimmtes Lernen, welches technisch unterstützt von Zeit und Raum unabhängig ist.

Das bedeutet, der Schüler kann selbst über Umfang, Ort und Zeitpunkt seines Lernens bestimmen und muss eigenständig Wege finden, um die gestellten Aufgaben zu lösen. Mobiles Lernen muss nach dieser Definition nicht zwingend mithilfe von Mobilen Endgeräten erfolgen. Doch erst Mobile Endgeräte bieten dem Schüler überall und jederzeit den unbegrenzten Zugang zu Informationen. Dieser unbegrenzte Zugang zwingt den Schüler, relevante Informationen herauszufiltern, neue Lösungswege zu erkunden und sein erlangtes Wissen zu systematisierten. Er zwingt den Schüler also zur Eigenverantwortlichkeit und damit zum selbstbestimmten Lernen (vgl. Gerstenmaier & Mandl, 1995; Reusser, 2006).

Lehrer haben beim Mobilen Lernen nur noch eine initiierende und unterstützende Rolle. Eine Rolle, welchen den Lehrern in ihrer bisherigen Ausbildung noch nicht vorgestellt wurde. Die Abkehr vom behavioristischen Modell und die Hinwendung zum konstruktivistischen Modell gehen daher nur zögerlich vonstatten und stellen Politik und Lehrerschaft vor neuen Herausforderungen. Zu Recht stellt sich die Frage: Brauchen wir diese neue Lernkultur?

Die Konstruktivisten und Medienpädagogiker sind sich in Hinblick auf die Frage einig: Ja. Als Argumente die Möglichkeit des personalisierten und individualisierten Unterrichts, die Nutzung von bereits vorhandenen Ressourcen und die Orientierung am jugendlichen Alltag (Seipold, 2013, S. 35-36) aufgezählt.

Doch wie stehen die Lehrer zu Handys und Co. im Schulalltag? Wie kann die neue Lernkultur sowohl Schülern, als auch Lehrern nähergebracht werden? Und welche Risiken sehen die Lehrer darin, Mobile Endgeräte in ihrem Unterricht ausdrücklich zuzulassen? Diesen Fragen wurde bisher kaum Aufmerksamkeit geschenkt.