Finalbeitrag: Für jedes Problem eine Lösung!

Fast drei Monate sind mittlerweile vergangen seit dem ich beschloss, mich mit dem Einsatz von mobilen Endgeräten im Schulunterricht zu beschäftigen. Ich wählte dieses Thema zunächst aufgrund von persönlichen Erfahrungen: Als ich in die Oberstufe des Gymnasiums kam, führte meine Schule ein allgemeines Verbot von elektronischen Geräten ein: Handys, MP3-Player und ähnliches waren ab diesem Zeitpunkt auf dem Schulgelände tabu. Diese Regelung besteht noch heute.

Im Rahmen meiner Recherche für diesen Blog hatte ich mir die aktuelle Version der Schulordnung auf der Hommage meines ehemaligen Gymnasiums heruntergeladen. Unter Punkt 2 „Jugendschutz und Sicherheit der Schüler“ heißt es da: „Handys und elektronische Unterhaltungsgeräte bleiben während der gesamten Unterrichtszeit und während der Pausen ausgeschaltet.“ Für diese Regelung gibt es keine Ausnahmen. Der Einsatz von mobilen Endgeräten innerhalb des Unterrichts ist an meiner ehemaligen Schule damit nicht möglich. Mein ehemaliges Gymnasium bildet jedoch keine Ausnahme. Online, aber auch in den klassischen Nachichtenmedien werden hitzige Debatten über das Für und Wider des Handyverbots an Schulen geführt. Einer der Hauptgründe für das Schulverbot von mobilen Endgeräten sind oftmals (einmalige) soziale Verfehlungen seitens der SchülerInnen, wie beispielsweise Cybermobbing, Nacktfotos und ähnliches (vgl. Trauthig und Eberhardt, 2014; Kleemann, 2012; Straush, 2013).

Während meines Studiums jedoch machte ich immer wieder Bekanntschaft mit dem mobile-learning-Ansatz (z.B. Seipold, 2013; Mayrberger, 2010). Insbesondere im Seminar „Verändertes Lehren und Lernen mit mobilen Endgeräten“, in dessen Rahmen dieser Blog hier entstand, setzte ich mich mit dem konstruktivistischen Lernansatz auseinander. Bei diesem Ansatz sollen die Jugendlichen selbstständig und eigenverantwortlich lernen, während die LehrerInnen nur noch eine moderierende bzw. fördernde Rolle einnehmen (vgl. Stiller, o. Jg.;  Reusser, 2006; Gestenmauer & Mandel, 1995). Innerhalb des Konstruktivismus lässt sich mobile Lernen, also  selbstbestimmtes Lernen, welches technisch unterstützt von Zeit und Raum unabhängig ist, sehr gut einbetten. Auch viele Praktiker, wie beispielsweise André Spang (Spang & Larbig, 2011) oder die Herausgeber des Medienpädagogik Praxis-Blogs Rösch und Albers-Heinemann, verweisen auf die vielen Vorteile und die Notwendigkeit des Einsatzes von mobilen Endgeräten innerhalb eines konstruktivistischen Unterrichtsmodells.

Darum stellte ich mir zunächst die Frage, warum sich so viele Schulen vehement gegen Handy und Co. im Schulalltag versperren und begann zu recherchieren. Nachdem ich in der wissenschaftlichen Literatur (Seipold, 2013), in Medienberichten (Kleemann, 2013; Straush, 2013; Trauthig & Eberhardt, 2014), in Leserkommentaren von Lehrern (ebd.) gestöbert hatte stellte ich fest: Probleme beim Einsatz mit sozialen Endgeräten im Unterricht gibt es sehr viele. Die Anzahl an Herausforderungen und Problemen rund um das Thema mobiles Lernen wuchs ach einem Gastvortrag von iPad-Lehrer André Spang noch weiter an. Und erst vor wenigen Wochen entdeckte ich in einem Beitrag von Mayrberger (2010, S. 286, 293-294) mehrere Auflistungen von Herausforderungen und Problemen, die LehrerInnen beim Einsatz von mobile laerning beachten müssen. Bei deren fast schon erschlagenden Anzahl ist die Weigerung der Schulen, mobiles Lernen zu fördern fast schon nachvollziehbar.

Um einen besseren Überblick zu erhalten begann ich darum, die Probleme in vier Bereiche zu strukturieren:

  1. Sozialer Problembereich (z.B. Gefahr für das Soziale Miteinander, Cyber-Mobbing, in Anlehnung an Seipold, 2013, S. 35)
  2. Rechtlicher Problembereich (z.B. Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Urheberrecht, Verbot der Nutzung von sozialen Medien in der Schule – in Anlehnung an Seipold, 2013, S. 35)
  3. Theoretischer Problembereich (Kompetenzen für mobiles Lehren und Lernen)
  4. Praktischer Problembereich (z.B. Störungen des Unterrichts durch Handyklingeln, Umsetzung von Mobile Learning)

Als ein erstes Problem stellte sich die Überlappung der einzelnen Problembereiche heraus. So ist die Verbreitung von Nacktfotos als Cyber-Mobbing dem sozialen Problembereich, und als Verletzung des Rechts am eigenen Bild der rechtliche Problembereich zuzuordnen. Trotzdem sah ich die Kategorien als Möglichkeit, grundsätzliche Lösungsansätze für verschiedene Problemtypen zu erarbeiten. Diese Aufgabe nahm ich mir für den zweiten Teil meines ePortfolios vor.

Problemfelder beim Einsatz mobiler Endgeräte im Schulunterricht. Eigene Darstellung.

Problemfelder beim Einsatz mobiler Endgeräte im Schulunterricht. Eigene Darstellung.

Damit hatte ich mir eine regelrechte Mammutaufgabe gestellt. Zwar gelang es mir, einzelne Lösungsansätze aus der Literatur und aus der Internetrecherche zusammenzutragen (siehe Tabelle bzw. Beiträge 5 bis 10). Als auf einen Problembereich zugeschnittenen allgemeinen Lösungsansätze können meine Vorschläge nur mit Einschränkungen gelten. Zum einen könnten durchaus Einzelprobleme, die einem Problembereich angehören, von mir bislang jedoch nicht berücksichtigt wurden, auftreten. Zum anderen müssen meine Lösungsansätze, vor allem jene, die nicht durch wissenschaftliche Literatur gestützt sind, empirisch evaluiert werden. Zudem schränken die zuvor erwähnten Überschneidungen der Problembereiche die Gültigkeit eines auf nur einen Bereich zugeschnittenen Lösungsansatzes unter Umständen ein.

Tabelle: Beschreibung der Problemfelder und deren jeweiligen Lösungsansätze. Eigene Darstellung.

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Für jede Lösung ein Problem? – Kritische Würdigung

Dennoch: Angesichts der geradezu erschlagenden Anzahl an Einzelproblemen, welche bei der Umsetzung von mobilem Lernen auftreten (können), scheint es es mir immer noch als richtiger Ansatz, diese in Problembereiche zusammenzufassen und für jeden Bereich eine Art allgemeines Lösungskonzept – vergleichbar mit einem Grundrezept beim Kochen – zu erarbeiten. Denn viele Probleme sind individueller Natur. Für jedes Einzelproblem eine individuelle Lösung zu erarbeiten, kann die Wissenschaft nicht leisten. Was sie jedoch leisten kann, ist, grundlegende Lösungsstrategien zu konzepieren und zu evaluieren, welche dann jeweils auf die spezifischen Einzelfälle angepasst werden können. Nur so kann den LehrerInnen die Angst vor dem Einsatz mobiler Endgeräte im Unterricht genommen werden.

Die hier im Blog erarbeitete Einteilung in vier Problembereiche kann als ein erster Versuch gesehen werden, die Herausforderungen zu strukturieren. Die Kategorien müssen nun noch weiterentwickelt werden.

 

Ist das rechtens? – Juristische Problemfelder und deren Lösungsansätze

Beim Einsatz von mobilen Endgeräten im Schulunterricht spielen viele Gesetze und Regelungen eine Rolle, die – sollten sie nicht beachtet werden – juristische Konsequenzen nach sich ziehen können. In ihrem Aufsatz „Urheber- und datenschutzrechtliche Frage des Mobile Learning“ geben Forgó und Heinemeyer (2013) einen Überblick über die derzeitige rechtliche Lage und befassen sich mit den Rechtsfolgen bei Verstößen gegen die Urheber- und datenschutzrechtliche Normen.Folie4

Probleme tauchen erst in der Praxis auf

Doch nicht nur Urheber- und Datenschutzrecht spielen beim mobilen Lernen eine Rolle. Werden im Rahmen des Schulunterrichts öffentliche Wiki(-Beiträge), Blogs, Websites oder ähnliches erstellt, sind ebenfalls die Bestimmungen des Telemediengesetzes zu beachten. Oftmals tauchen die Probleme erst in der Unterrichtspraxis auf. So geschehen auch in diesem Seminar. Dieser Blog ist eine Studienleistung innerhalb des Seminars „Verändertes Lehren und Lernen mit mobilen Endgeräten“, welches vom IMWK der Universität Augsburg angeboten wird. Nach den ersten Wochen kam die Frage auf, ob auch unserer Blogs einer Impressumspflicht unterliegen. Ja, das taten sie. Also wurde ein Impressum eingefügt. Diejenigen, die ihre Adressen nicht öffentlich im Netz stehen haben wollten, schalteten ihre Beiträge auf „privat“.

Dieses Beispiel soll verdeutlichen, dass es beim mobile Learning, insbesondere wenn eigene Medieninhalte produziert und verbreitet werden , durchaus zu rechtlichen Problematiken kommen kann. Um diese zu vermeiden, sollten Schulen sowohl LehrerInnen als auch SchülerInnen medienrechtlich schulen.

Lösung der rechtlichen Probleme: Medienrechtliche Schulungen

Dieser Aufwand ist durchaus berechtig. Medien spielen immer mehr eine Rolle im Alltag, schon bei Aktivitäten auf Facebook und Co. können NutzerInnen Urheberrechte und Persönlichkeitsrechte verletzen. Darum erscheint eine solche medienrechtliche Schulung innerhalb der Schulausbildung durchaus sinnvoll. Materialien für eine solche medienrechtliche Schulung stellen viele Plattformen zur Verfügung, unter anderem auch klicksafe.de: Die EU-Initialive hat unter dem Titel „Spielregeln im Internet. Durchblicken im rechte-Dschungel“ ein mehrteiliges Kompendiums zusammengestellt, welches alle wichtigen gesetzlichen Regelungen enthält.

Das medienrechtliche Wissen kann in die Medienkompetenz-Dimension „Medienkunde“ eingeordnet werden. Die Vermittlung von medienrelevanten Gesetzen kann darum auch speziell im Rahmen von schulischen Medienkompetenz-Projekten oder Projekttagen vermittelt werden.  Dies kann durchaus auch spielerisch vonstatten gehen. Ein Beispiel wäre hier ein Projekt, welches uns Sofia Paucke von JFF-Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis in einem Gastvortrag während des Seminars vorgestellt hatte.

Die JFF-Arbeitsgruppe hat mit einer Gruppe von GrundschülerInnen mithilfe der iOS-App „Puppet Pals“ einen Kurzfilm über das Recht am eigenen Bild gedreht. Der Film entstand im Auftrag der sozialen Netzwerkes „knipsclub.de“, welches  eine Foto-Plattform vergleichbar mit Instagram speziell für Kinder ist. Der Film wurde anschließend auf die Homepage von „knipsclub.de“ gestellt.

Ist das sozial? – Probleme und Lösungsansätze im sozialen Bereich

Zum einen fördern ein konstruktivistischer Lernansatz und der Einsatz von mobilen Endgeräten, die Zugang zu sozialen Netzwerken ermöglichen, kollaboratives Arbeiten. SchülerInnen lernen, im Team zu interagieren und bauen dadurch ihre sozialen Kompetenzen weiter aus. Andererseits sind in den Medien stets Fälle von sozialen Entgleisungen im Zusammenhang mit mobilen Endgeräten präsent.Folie5

Soziales Fehlverhalten durch Handy und Co.

In meinem zweiten Beitrag habe ich bereits Beispiele aus dem sozialen Problembereich zusammengetragen: Seien es nun Nacktfotos von SchülerInnen, die ohne deren Einverständnis verbreitet werden oder kurze Handy-Filme Mobbing-Aktionen, die ins Internet gestellt werden – online finden sich zahlreiche Artikel und Berichte über äußerst unsoziales Verhalten von Schülern. Besonders dominant in den Medien ist das Thema Cybermobbing.

Beim Cybermobbing handelt es sich um einen “aggressive, intentional act carried out by a group or individual, using electronic forms of contact, repeatedly and over time against a victim who can not easily defend him or herself” (Smith et al., 2008, S. 376). In Extremfällen wird ein Opfer von den Mobbingattacken in den Selbstmord getrieben. Im August 2013 hatten sich nach Berichten der T.A.Z. fünf Jugendliche aus Großbritannien das Leben genommen, nachdem sie zuvor massiv im Internet gemobbt wurden.

Handyverbot als feiger Versuch, sich aus der Verantwortung zu ziehen

Soziales Fehlverhalten unterstützt durch mobile Endgeräte kann unterschiedliche Ausmaße annehmen. Oftmals sind es Fälle von Cybermobbing, die zu einem Handyverbot an Schulen führen. Dahinter steckt ein einfacher Gedanke: Wenn Cybermobbing nicht in der Schule stattfindet, ist es auch nicht das Problem der Schule. Dass Cybermobbing durch ein Handyverbot an Schulen verhindert wird, wird vermutlich kaum einer glauben. Sind Handy während der Unterrichtszeit verboten, werden sie auf dem Schulweg beziehungsweise zu Hause wieder ausgepackt und das Mobbing geht weiter. Die Opfer haben jedoch nun gefühlt keine verantwortliche Ansprechperson, an welche sie sich in ihrer Not wenden können. Zudem haben LehrerInnen oder schulische SozialarbeiterInnen kaum noch Chancen, die Attacken wahrzunehmen und können demnach nicht mehr handeln. Die Opfer werden damit im Zweifelsfall alleine gelassen (vgl. TKK NRW, 2014).

Darum kann ein Handyverbot, sollte es allein aus den Cybermobbing-Gründen eingeführt werden, unter Umständen als ein feiger Versuch, sich aus der Verantwortung zu ziehen, angesehen werden. Die Schule gilt nicht umsonst als Sozialisationsinstitution, wo Jugendliche die sozialen Normen und Werte der Gesellschaft verinnerlichen sollen (vgl. Fromme, 2007, S. 17). Es ist und bleibt also Aufgabe der Schule, gegen soziale Verfehlungen sei es digital oder analog vorzugehen – Handyverbot hin oder her!

Lösung gegen Cybermobbing: Prävention

Die beste Maßnahme gegen Cybermobbing ist es, dieses erst gar nicht entstehen zu lassen. Hierfür nehmen Couvillon und Ilieva (2011) in ihrem Aufsatz „Recommended Practices: A Review of Schoolwide Preventative Programs and Strategies on Cyberbullying“ insbesondere die Schulen in die Pflicht. Zur Prävention von (Cyber)Mobbing sollten nach Ansicht der Autoren Schulen wiederholt Unterrichtseinheiten zum Thema Mobbing und entsprechende Präventionstrainings anbieten. Anregungen können sich LehrerInnen auf der klicksafe.de holen, einer Initiative der Eu für mehr Sicherheit im Netz. Ein besonders gutes Beispiel für ein Präventionsprogramm ist nach Ansicht von Gewalt-gegen-Kinder.de, einer Seite der TKK NRW, das Programm „Surf-Fair“ von Pieschl und Poch (2012):

„Es zeichnet sich besonders durch ein konsistentes didaktisches Konzept aus, richtet sich ausschließlich gegen Cybermobbing und stellt vor allem die Stärkung von Medienkompetenz in den Vordergrund. Die Wirksamkeit von Surf-Fair wurde durch wissenschaftliche Evaluationsstudien systematisch überprüft und das Programm wird anhand der Ergebnisse kontinuierlich verbessert.“ (TKK NRW, 2014). 

 

Ist das praktisch umsetzbar? – Lösungen für unterrichtspraktische Probleme

Ein bekanntes Sprichwort im Forschungskontext besagt: Es gibt nichts praktischeres als eine gute Theorie. In meinem vorigen Beitrag bin ich darauf eingegangen, wie das theoretische Konzept der Medienkompetenz im Unterrichtsalltag praktisch vermittelt werden kann. Dieser Beitrag hier beschäftigt sich, wie Schulen und LehrerInnen mobile Endgeräte allgemein in den Unterricht einführen können und wie mit alltagspraktische Problemen umgegangen werden kann.Folie2

Seipold (2013, S. 42-44) stellt drei Ansätze zur Implementierung von mobilem Lernen in die Unterrichtspraxis vor: Den „Top-Down-Ansatz“, den „Bottom-Up-Ansatz“ und  den „Affordance-Ansatz“.

Beim Top-Down-Ansatz stellt die Schule die Infrastruktur für mobiles Lernen und versorgt die SchülerInnen mit den erforderlichen Geräten. Es werden bei diesem Ansatz also „Mobiltechnologien auf bestehende Unterrichtsstrukturen aufgesetzt“ (Seipold, 2013, S. 42). Ein klarer Vorteil ist die Chancengleichheit, welche das Konzept mit sich bringen: Alle SchülerInnen werden mit den gleichen Geräten ausgestattet und haben somit die selben technischen Voraussetzungen. Nachteile sind, dass die Schule somit die Handlungsspielräume der Lernenden und Lehrenden stark einschränkt. Zudem ist das Konzept mit einem hohen Kostenaufwand verbunden. Die Geräte sind teuer. Zudem hinzu kommt, dass sich die Technologie rasend weiterentwickelt. Die neusten Geräte von heute sind in einem Jahr veraltet und können nicht alle Neuheiten und Innovationen bieten. Die Schule müsste ihren Gerätebestand ständig aktualisieren. Dies kann sich fast keine Bildungsinstitution leisten (vgl. ebd.).

Darum bietet sich für die meisten Schulen zunächst der Bottom-Up-Ansatz an. Zusammen mit dem Konzept wird oft das Schlagwort „Bring your own device“ genannt. Hier wird auf die bestehenden Ressourcen der Lehrenden und Lernenden zurückgegriffen, die SchülerInnen arbeiten meist mit ihren eigenen Geräten, mit welchen sie bestens vertraut sind. Ein Briefing im Umgang mit den Geräten entfällt damit zunächst. Zudem entstehen so keine weiteren Kosten für die Schule. Praktisch ist das Konzept mittlerweile sehr gut umsetzbar, da mittlerweile jeder Schüler und jede Schülerin ein Smartphone, Tablett oder ähnliches besitzt (siehe JIM-Studie 2013: MPFS, 2013b). Der Bottom-Up-Ansatz bezieht sich nicht nur auf die technische Ausstattung, sondern impliziert ebenfalls, dass die „in erster Linie im Alltag der Lernenden begründete Themen, Interessen, Kompetenzen, Expertisen, Wissen etc.“ (Seipold, 2013, S. 44) im Fokus stehen und von den SchülerInnen in den Unterricht eingebracht werden. Die Lehrenden nehmen somit nur eine moderierende Rolle im konstruktivistischen Sinne ein. Ein Problem des Bottom-Up-Ansatzes ist die Ungleichverteilung der Ressourcen. SchülerInnen, die ältere Geräte besitzen könnten benachteiligt werden. Zudem könnten Kompatibilitätsprobleme (z.B. eine bestimmte App ist nicht für alle Betriebssysteme geeignet) den Unterrichtsfluss hemmen.

An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Erfahrungsbericht einbringen. Im Rahmen des Seminars, in welchem auch dieser Blog entsteht, hatten wir die Aufgabe, eine Unterrichtsstunde mit mobilem Lernen zu gestalten. Unsere Gruppe entschied sich für die Lernapp „Lisa taucht ab!“. Diese App soll Kindern den bewussten Umgang mit Wasser vermitteln, indem innerhalb einer Spiel-und-Spaß-Geschichte Informationen über den Wasserkreislauf, Kläranlagen, Wasserverschwendung und -verschmutzung vermittelt und Möglichkeiten zum Wassersparen aufgezeigt werden. Die App wird von der Europäischen Kommission kostenlos zur Verfügung gestellt und ist in mehreren Sprachen erhältlich. Das besondere an dieser App ist zudem, dass sie für alle wichtigen Smartphone-Betriebssysteme erhältlich ist und sich auch auf Tabletts installieren lässt.  Sie ist damit durchaus geeignet für einen Bottom-Up Einsatz.

Das Beispiel soll vor allem eines verdeutlichen: Mittlerweile sind die Entwickler von Learnings-Apps soweit, dass sie ihre Software für die verschiedensten Arten von mobilen Endgeräten anbieten, sodass die bereits erwähnten Kompatibilitätsprobleme in Zukunft vermutlich weniger auftreten werden. Zudem existiert massenweise kostenlose Software. LehrerInnen können sich Anregungen im bereits erwähnten Medienpädagogik-Praxis-Blog holen. Eine gute Grundlage bietet die Linksammlung „Praxisbeispiele und Inspirationen für medieninteressierte Lehrende“ im ePortfolio meiner Kommilitonin.

Das letzte Implementierungskonzept ist der Affordance-Ansatz. Dieser besagt, dass mobile Endgeräte nur eingesetzt werden, „wenn die Nutzenden die Notwendigkeit dazu sehen oder sie von der Lehrperson vereinzelt und gezielt als didaktisches Mittel eingesetzt werden“ (Seipold, 2013, S. 44). Der Einsatz der mobilen Endgeräte ist demnach nicht immer zwingend erforderlich, die Geräte werden nur bei Bedarf verwendet. Laut Seipold (ebd.) findet dieser Ansatz am häufigsten Verwendung, da er sich am leichtesten im Schulalltag integrieren lässt: Sie erlauben „eine Variation der Methoden im didaktischen und Lernalltag, indem sie den Unterricht je nach Bedarf öffnen, ihn mit Instruktionslernen oder kommunikativ und diskursiv geprägten Lerngruppen gestalten, sich ausschließlich auf schulische Lernmaterialien konzentrieren oder auch Ressourcen aus dem Alltag zulassen etc.“ (ebd.). Für diesen Ansatz zwingend sei jedoch eine stabile Infrastruktur, die den SchülerInnen auch außerhalb der Schule zugänglich ist (vgl. Seipold, 2013, S. 44).

Nachdem ich nun die Implementierungsansätze für mobile Endgeräte im Unterricht vorgestellt habe, möchte ich noch kurz zwei Probleme aus dem praktischen Bereich anreisen, welche mir befreundete Lehramtanwärter in Diskussionen immer wieder aufzeigten.

Problem: Die Technik streikt

Man gibt sich Mühe, eine spannende und abwechslungsreiche Unterrichtsstunde mithilfe von mobilen Endgeräten zu gestalten – und dann funktioniert die Technik nicht. Klar, dass LehrerInnen da im Zweifelsfall eher auf die klassischen – analogen – und damit zickenfreien Methoden zurückgreifen. iPad-Lehrer André Spang erwiderte in unserer Abschlussdiskussion auf die technischen Tücken angesprochen, dass er immer einen analogen Plan B in der Tasche hat. Auf die Frage, ob dass nicht doppelte Aufwand sein, antwortete er, dass ein Plan B immer vorbereitet werden muss.

Problem: Störungen des Unterrichts/Ablenkung der Schüler durch mobile Endgeräte

Bezüglich des Einsatzes von mobilen Endgeräten im Unterricht bietet es sich an, zunächst klare Regeln mit den SchülerInnen zu vereinbaren. Zudem wage ich zu behaupten dass das Potenzial eine Ablenkung eher minimiert wird, wenn die Lernenden aktiv und produktiv mit besagter Ablenkungsmöglichkeit arbeiten müssen. Sollte zwischendurch dennoch mal gechattet oder geziemst werden, sollten LehrerInnen bedenken: Was frühe die Zettelchen unter dem Tisch waren, sind heute SMS und Whatsapp. Ein, zwei Nachrichten werdend dem Unterricht nicht schaden. Sollte es ausufern kann sich der Lehrende auf die vereinbarten Regeln berufen und entsprechende Sanktionen durchsetzen.

Fazit: Der Einsatz mobiler Endgeräte mag in der Praxis Probleme mit sich bringen. Diese sind jedoch lösbar.

Aufgaben der Medienbildung und deren Umsetzung im Schulalltag

In vorigen Beiträgen (insbesondere im Beitrag „Wissen – Nutzen – Gestalten – Hinterfragen„) bin ich bereits auf die Medienkompetenz der Lehrer und Schüler als notwendige Bedingung für den sinnvollen Einsatz mobiler Endgeräte im Schulunterricht eingegangen. Zudem habe ich den Vier-Dimensionen-Ansatz der Medienkompetenz nach Baacke (1997) vorgestellt. Was nun noch fehlt, ist die Vermittlung der Medienkompetenz an die Schüler, welche als neue wichtige Aufgabe, aber auch der Schulen gesehen werden kann. Folie3

Praxis-Konzept basierend auf einer anerkannten Theorie

Eine Lösung für diese Aufgabe stellt Gerhard Tulodziecki in seinem Aufsatz „Medienbildung in der Schule“ aus dem Jahr 2010 vor. Tulodziecki begreift Medienbildung als Prozess, innerhalb dessen Medienkompetenz vermittelt werden soll (2010, S. 45). Aus den vier Dimensionen der Medienkompetenz nach Baacke leitet er fünf Aufgabenfelder der Medienbildung ab, welche sich wiederum zu Handlungsfeldern sowie Inhalts- und Reflexionsfeldern zusammenfassen lassen (siehe untenstehende Abbildung). Zu den Handlungsfeldern gehören das „Auswählen und Nutzen von vorhandenen Medienangeboten unter Beachtung von Handlungsalternativen“ sowie das „Gestalten und Verbreiten von eigenen medialen Beiträgen“ (ebd., S. 49). Inhalts- und Reflexionsfelder wiederum sind das „Verstehen und Bewerten von Mediengestaltungen“, das „Erkennen und Aufarbeiten von Medieneinflüssen“ sowie das „Durchschauen und Beurteilen von Bedingungen der Medienproduktion und Medienverarbeitung“ (S. 50-51).

Die fünf Aufgabenfelder der Medienbildung nach Tulodziecki (2010). Eigene Darstellung.

Die fünf Aufgabenfelder der Medienbildung nach Tulodziecki (2010). Eigene Darstellung.

Im folgenden werden die fünf Aufgabenfelder der Medienbildung sowie deren Umsetzung im Schulunterricht kurz vorgestellt.

Auswählen und Nutzen von vorhandenen Medienangeboten unter Beachtung von Handlungsalternativen. Medien können für mehrere Zwecke genutzt werden:  Zur Information, zum Lernen, zur Unterhaltung, zum Spielen, zur Kommunikation und zur Kooperation. Die SchülerInnen sollten dazu in der Lage sein, je nach Zweck relevante Medieninhalte zu identifizieren und zu nutzen (vgl. Tulodziecki, 2010, S. 49). Um diese Kompetenz zu vermitteln schlägt Tulodziecki vor, zu Themen des Lehrplans medial Informationen zu suchen: „Steht in einer Schulklasse z.B. die Berufswahl bevor, können verschiedene Informationsquellen – von der Erkundung in Betrieben und Gesprächen mit Berufsberatern über Broschüren und Filme bis zur CD-ROM und zum Internet – herangezogen werden, um sich kundig zu machen“ (Tulodziecki, 2010, S. 49). Anschließend sollen die Vorteile, aber auch die Risiken und Begrenzungen der jeweiligen Informationsquellen diskutiert werden (ebd.).

Gestalten und Verbreiten von eigenen medialen Beiträgen. Tulodziecki (2010, S. 49-50) schlägt vor, dass die SchülerInnen selbst produktiv tätig sein sollen, um zu erlernen mit den Medien kreativ zu arbeiten. Diese Forderung dürfte ganz im Sinne von iPad-Lehrer André Spang sein, welcher in der Abschlussdiskussion seines Gastvortrags anmerkte, dass den meisten Jugendlichen diese Kompetenz fehle. Die Möglichkeiten, mit mobilen Endgeräten schöpferisch tätig zu sein sind – dank der riesigen Anzahl an unterschiedlichen Apps – beinahe grenzenlos. Die Schüler können Musikstücke produzieren, Filme drehen, Comics erstellen, eBooks verlegen, Wikis anlegen usw. Diese Tätigkeiten lassen sich auch sehr einfach im Projektarbeiten zu bestimmten Themen einbinden. Auch hier ist eine anschließende Diskussion der Ergebnisse sinnvoll (vgl. Tulodziecki, 2010, S. 49). Bei der Erstellung und insbesondere bei der Verbreitung der eigenen Medieninhalte sollte LehrerInnen und SchülerInnen mit der geltenden Gesetzeslage bezüglich der Urheberrechtes vertraut sein. Bei Urheberrechtsverletzungen oder ähnlichen Verstößen können unangenehme Folgen drohen. Aus diesem Grund lehnen viel LehrerInnen die Erstellung und Verbreitung von schülereigenen Medieninhalten ab. Mit dem rechtlichen Problembereich wird sich einer der noch folgenden Beiträge beschäftigen.

Verstehen und Bewerten von Mediengestaltungen. Ein gleicher Inhalt kann von verschiedenen Medien auf ganz unterschiedliche Art und Weise aufbereitet werden. Jedoch stößt jedes Medium bei der Gestaltung der Inhalte an Grenzen. Auch ist nicht immer jede Darstellungsform für einen Inhalt geeignet. Die SchülerInnen sollten darum die verschiedenen Gestaltungsarten (Radiomagazion, Youtube-Clibe, Website), -formen (z.B. Bericht oder Kommentar) und -techniken (z.B. Kameraeinstellung beim Film) sowie die Darstellungsformen (Grafik, Text, Audio, Video) von kennen und vor allem auch beurteilen können. Tulodziecki schlägt für die Umsetzung vor, die Darstellung eines Themas, besonders geeignet sind Großevents wie eine Weltmeisterschaft, in den verschiedenen Medien zu vergleichen und die Gestaltungsmittel zu analysieren sowie zu beurteilen (vgl. Tulodziecki, 2010, S. 50).

Erkennen und Aufarbeiten von Medieneinflüssen. Medieninhalte wirken auf unsere Gefühle, unsere Vorstellungen von der Realität, unser Handeln, unsere Wertvorstellungen und unser Sozialverhalten. Damit haben Medien nicht nur Einfluss auf den Einzelnen, sondern auch auf die Gesellschaft. Diese Erkenntnis ist Kommunikationswissenschaftlern nicht neu, der kompletter Wissenschaftszweig der Rezipientenforschung beschäftigt sich mit dem Thema Medienwirkungen. Dass Medien ihre Leben maßgeblich beeinflussen sollte jedoch auch den Jugendlichen deutlich klar gemacht werden. Als einfache Übung schlägt Tulodziecki daher vor, der Schulklasse Begriffe wie Polizei oder Ozonloch vorzugeben und die verschiedenen Assoziationen festzuhalten. Im Anschluss soll anhand des so entstehenden Stereotyps diskutiert werden, wie diese Vorstellungen zustande kommen und ob sie tatsächlich der Realität entsprechen (vgl. Tulodziecki, 2010, S. 50).

Durchschauen und Beurteilen von Bedingungen der Medienproduktion und Medienverarbeitung. Medien arbeiten nach ihrer eigenen Logik. Warum ein Journalist eine Ereignis als Nachricht auswählt, ein anderes jedoch nicht, liegt an den etablierten Auswahlkriterien des Mediums. Jugendliche sollten mit diesen ökonomisch/rechtlich/personell/ institutionell/politisch/gesellschaftlich/historisch bedingten Auswahlkriterien bekannt sein, um die Medieninhalte und Einflüsse besser beurteilen zu können.  Als beispielhaftes Unterrichteszenario schlägt Tulodziecki vor, die Klasse in unterschiedliche Gruppen einzuteilen, welche die Redaktionen unterschiedlicher Medien (TV/Radio/Zeitung, Boulevard oder Nachrichtenjournal) nachstellen. Die Gruppen sollen Nachrichten für ihr Medium auswählen. Anschließend wird diskutiert, warum sich die Redaktionen für die jeweiligen Nachrichten entschieden haben (vgl. Tulodziecki, 2010, S. 51).

Doch ist das Konzept auch PRAXISTAUGLICH?

Zunächst gibt Tulodzieckis Konzept klare Vorgaben, aus welchen Aspekten Medienkompetenz besteht und wie diese innerhalb des Schulunterrichts vermittelt werden können. Durch die Einteilung der fünf Aufgabenbereiche der Medienbildung ist es LehrerInnen leicht möglich, sich weitere Unterrichtsszenarien auszudenken. Dem Konzept kann damit eine Praxistauglichkeit bescheinigt werden.

Jedoch lässt es die LehrerInnen in einem Punkt etwas alleine: Nämlich bezüglich der medienpädagogischen Kompetenz. Gute MedienpädagogikerInnen müssen nicht nur absolute Medienkompetenz besitzen, sie müssen auch wissen welche Aufgabentypen für welches Alter geeignet sind und welche die SchülerInnen überfordern. Eine erste Hilfestellung seitens Tulodzieckis sind die Empfehlungen für die einzelnen Jahrgangsstufen, welche er aufgrund der Bedürfnis- und Motivtheorien, den Ansätzen der kognitiven Komplexität und den Theorien zum sozial-moralischen Urteilsniveau entwickelt hat (Tudolziecki, 2010, S. 54). Gute Medienpädagigoker müssen wissen, welches Medium für welchen Aufgabentyp geeignet und wann der Einsatz eines Gerätes unsinnig ist.

Zudem sind von mobilen Endgeräten ausgehende soziale Bedrohungen wie Cybermobbing und deren Bekämpfung nur schwer in Tulodzieckis Konzept zu integrieren – im Gegensatz zu den Problematiken des rechtlichen Bereichs. Dennoch bietet der Ansatz den LehrerInnen eine gute Basis.

Dennoch wäre es wünschenswert, dass medienpädagogische Kompetenz bereits verpflichtend in der Lehrerausbildung vermittelt werden würde. Dies ist leider noch nicht der Fall. Dennoch gibt es für medienbegeisterte LehrerInnen zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten im medienpädagogischen Bereich. Ein Beispiel hierfür ist die Fortbildungsinitiative der Intel Education Group (Ganz & Reinmann, 2007, S.169). Auf diese Weiterbildungsmöglichkeit wurde ich durch das ePortfolio meiner Kommilitonin aufmerksam, welche der Initiative bereits einen kompletten Beitrag widmete. Aus diesem Grund belasse ich es hier bei einer Erwähnung und verlinke weiter zum vollständigen Beitrag.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass ausreichend gute Lösungsansätze für den theoretischen Problembereich vorhanden sind. In den folgenden Beiträgen werden Lösungsansätze für die drei verbleibenden Problembereiche gesucht.

Was bisher geschah – Kurzpräsentation in Stichpunkten

Thema

Einsatz von mobilen Endgeräten im Unterricht und die daraus resultierenden Probleme und Herausforderungen für Schulen

Forschungsfragen

1. Wie stehen die Lehrer zu Handys und Co. im Schulalltag?

Vorgehensweise: Stöbern in wissenschaftlicher Literatur (Seipold, 2013), in Medienberichten (Kleemann, 2013; Straush, 2013; Trauthig & Eberhardt, 2014), in Leserkommentaren von Lehrern

  • Handy und Co werden als Störenfried (Unterricht, aber auch soziales Miteinander) empfunden
  • Never change a running system: Notwendigkeit für den Einsatz mobiler Endgeräte wird nicht gesehen
  • LehrerInnen sind überfordert

 

2. Welche Risiken sehen die Lehrer darin, Mobile Endgeräte in ihrem Unterricht ausdrücklich zuzulassen?

Vorgehensweise: Zusammenfassung der bisher zusammengetragenen Probleme und Identifikation  von vier ProblemfeldernBild

3. Welche Lösungsansätze gibt es für die einzelnen Problembereiche und wie können diese im Schulalltag konkret umgesetzt werden

  • Theoretischer Problembereich: Medienkompetenz nach Baacke (1997); medienpädagogische Kompetenz
  • Rechtlicher Problembereich: ausstehend
  • Sozialer Problembereich: ausstehend
  • Praktischer Problembereich: ausstehend

Wissen – Nutzen – Gestalten – Hinterfragen

Da ich nun vier Problembereiche der Medienpädagogik identifiziert haben, möchte ich nun versuchen, Lösungsansätze für jeden einzelnen zu finden. Damit habe ich mir keine sehr leichte Aufgabe gestellt, da sich (wie schon geschildert) alle Problembereiche überschneiden. Zugleich ist die Unterteilung sehr grob, jeder Bereich ist weitaus komplexer als ich in meinem Modell darstelle. Trotzdem hilft diese Einteilung, einzelnen Problembereiche anzugehen.Folie3

Die Probleme beginnen schon in der Theorie

Ich werde mich zunächst dem theoretischen Problembereich widmen, da für diesen schon zahlreiche theoretische Ansätze vorhanden sind. Der theoretische Problembereich dreht sich um Kompetenz. Zum einen um die Kompetenz der LehrerInnen. Viele tun sich deshalb beim Einsatz mobiler Endgeräte schwer, da sie um deren Potenziale und Einsatzmöglichkeiten nicht wissen oder – im schlimmsten Falle – diese nicht bedienen können. Kritiker des Einsatzes von mobilen Endgeräten in der Schüler argumentieren, dass die SchülerInnen den LehrerInnen technologisch viel zu weit voraus sind. Doch dieser Eindruck täuscht: Laut André Spang würden viele SchülerInnen die mobilen Medien nur passiv nutzen, also ausschließlich Inhalte rezipieren. Die meisten Jugendliche wüssten nicht, wie mittels Handy und Tablett produktiv im Sinne von kreativ und gestalterisch gearbeitet werden kann. Die Medienkompetenz der Jugendlichen ist demnach nicht so ausgeprägt, wie viele Erwachsene meinen. Sie muss geschult werden. Dabei sollten die Schüler nicht nur lernen, wie Medien produktiv eingesetzt werden können, sie sollten auch um die Gefahren wissen, die von mobilen Endgeräten ausgehen.

Medienkompetenz als Schlüssel

Das ist Aufgabe der aufklärenden und reflektierenden Medienpädagogik (Süss, Lampert & Wijnen, 2013, S. 96; Fromme & Jörissen, 2010, S. 49). In diesem Kontext taucht besonders häufig der Begriff der Medienkompetenz auf. Fromme und Jörissen (2010) stellten bereits fest, dass das Konstrukt Medienkompetenz nur sehr schwer greifbar ist. Es existieren zahlreiche Definitionen, die sich alle unterscheiden. Im Kern beinhalten jedoch alle dasselbe: Der Rezipient ist den Medien nicht schutzlos ausgeliefert, wie es die Wirkungs- und Rezipientenforschung zwischen 1950 und 1990 immer suggerierte (z.B. der Kultivierungsansatz nach Gerbner). Medienwirkungen sind zwar vorhanden, die Rezipienten sind jedoch nicht wehrlos. Vielmehr setzen sich kompetente Rezipienten aktiv und selbstbestimmt mit Medieninhalten auseinander. Aufgabe der Medienpädagogik ist es nun, dafür zu sorgen, die Medienkompetenz der Rezipienten zu schulen, sodass diese selbstbestimmt, kritisch und verantwortungsvoll mit den Medieninhalten umgehen können (vgl. Fromme & Jörissen, 2010, S. 48-49). Theunert beschreibt diese Aufgabe wiefolgt:

„Medienkompetenz in der Multimedia-Welt zu befördern heißt, allen zu ermöglichen, sich die Systeme zugänglich zu machen, deren Strukturen und Angebote selbstbestimmt und kritisch zu nutzen, sich der technischen Möglichkeiten für eigene Zwecke zu bedienen; und es heißt nicht zuletzt, die Bedeutung der Systeme für das individuelle und gesellschaftliche Leben zu begreifen und einzuschätzen“ (Theunert, 1996, S. 68).

Medienkompetenz oder Medienbildung?

In der jüngeren Vergangenheit wurde diskutiert, inwieweit der Medienkompetenz-Begriff noch zeitgemäß ist. Kritisiert wurde hauptsächlich, dass Medienkompetenz ausschließlich als Ergebnis oder Ziel von Medienpädagogik betrachtet wird. Dieses Konzept beschränkt sich zudem nur auf die Beziehung von Rezipient (hier: Subjekt genannt) und Medien, weniger auf die Beziehung Mensch und Welt. Darum wurde vielfach das Konzept der Medienbildung als Alternative vorgeschlagen (vgl. Fromme & Jörissen, 2010; Schorb, 2009). Doch gerade der statische Charakter des Medienkompetenz-Konzepts und seine Medienfokussierung erleichtern sowohl seine empirische als auch seine praktische Anwendbarkeit. Darum werde ich – aller berechtigter Kritik zum Trotz – auf diesen Ansatz zurückgreifen, das er meiner Meinung nach für die Generierung von Lösungsansätzen am geeignetsten erscheint.

Medienkompetenz

Medienkompetenz: Vier-Dimensionen-Ansatz nach Baacke (1997). Eigene Darstellung.

Einer der ältesten und bewährtesten Medienkompetenz-Ansätze ist der nach Baacke (1997). Bei Baacke setzt sich die Medienkompetenz des Einzelnen aus der Medienkritik, der Medienkunde, der Mediennutzung und der Mediengestaltung zusammen. Die Dimension Mediennutzung umfasst das technische Wissen, um mobile Endgeräte nutzen zu können. Hinter Mediengestaltung steckt die Fähigkeit, mobile Endgeräte produktiv (vgl. André Spang) zu nutzen, und nicht nur Inhalte zu rezipieren. Die Medienkritik-Dimension meint, dass der einzelne die Gefahren und Risiken der mobilen Endgeräte kennt und entsprechend handelt. Etwas abstrakter ist die Dimension Medienkunde. Damit ist gemeint, dass das System der Medien bekannt ist.  Ich weiß also, wie das System oder die Vernetzung der mobilen Endgeräte funktioniert und wie es dadurch zu Vorteilen, aber auch Risiken kommen kann (vgl. Baacke, 1997; Mikos, 2010, S. 29). Sowohl LehrerInnen als auch SchülerInnen sollten über diese Medienkompetenz verfügen. In meinem nächsten Beitrag soll erläutert werden, wie diese beiden Gruppen vermittelt werden könnte.

Zwischenfazit

Handys, Tabletts und andere mobile Endgeräte sind im Alltag der Jugendlichen längst integriert (vgl. MPFS, 2013a; 2013b; 2013c; 2013d). Für vielen Schulen sind die Geräte nichts anderes als Störenfriede und Ursachen sozialer Probleme. Die Folge: generelles Handy-Verbot auf dem Schulgelände. Dabei spielt sich der Grabenkampf um die mobilen Endgeräte nicht mehr nur auf den unterrichtspragmatischen und kulturpessimistischen Ebenen ab.

Seit einigen Jahren propagieren junge LehrerInnen und Pädagogen, wie beispielsweise André Spang, den Einsatz der mobilen Endgeräte im Unterricht und zählen die Möglichkeiten auf, die Technologie im im Schulalltag sinnvoll einzusetzen:  Informationen können recherchiert, Orte auf Google Maps nachgesehen, Lernvideos heruntergeladen, Dateien ausgetauscht, Texte geteilt, Powerpoint-Präsentationen erstellt, Aufgabenblätter und To-Do-Listen in der Cloud gemeinsam bearbeitet werden (vgl. Spang & Larbig, 2011). Mobiles Lernen, also selbstbestimmtes Lernen, welches technisch unterstützt von Zeit und Raum unabhängig ist, ist der neue Bildungs-Trend.

Unterstützung bekommen die Technologie-Euphoriker aus der konstruktivistischen Pädagogik (u. a. Stiller, o. Jg.;  Reusser, 2006; Gestenmauer & Mandel, 1995). Hier ist nicht mehr das Ziel, alle SchülerInnen auf den gleichen Bildungsstand zu trimmen. Vielmehr sollen die Jugendlichen selbstständig und eigenverantwortlich lernen, während die LehrerInnen nur noch eine moderierende bzw. fördernde Rolle einnehmen. Bei diesem Ansatz stehen Gruppenarbeiten und Projekte im Vordergrund. Hierbei können Handy und Co besonders sinnvoll eingesetzt werden, da sie viele Programme bzw. Apps anbieten, mit welchen kleinere, vor allem kreative Projekte erstellt werden können (vgl. Rösch & Albers-Heinemann, 2014). Auch der Austausch und die Vernetzung von Informationen fällt mithilfe der internetfähigen Hardware besonders leicht. Mobiles Lernen wir hier also einer Lernkultur im konstruktivistischen Sinne untergeordnet. Selbstverständlich lassen sich Handy und Co. auch im klassischen Schulunterricht einsetzen. Hier können sie jedoch nicht ihr volles Potenzial entfalten. Wahrscheinlicher ist hier, dass sich die Geräte sich tatsächlich als die Störenfriede erweisen, als die sie vom Großteil der Lehrenden gesehen werden.

Trotz der vielen Vorteile sind mobile Endgeräte längst nicht im Schulalltag angekommen. Das erste Ziel des Blogs war es, herauszufinden, warum sich viele Schulen gegen den Einsatz der Technologie sträuben. Nach Stöbern in der wissenschaftlichen Literatur (Seipold, 2013), in Medienberichten (Kleemann, 2013; Straush, 2013; Trauthig & Eberhardt, 2014), in Leserkommentaren von Lehrern (ebd.) sowie nach einem Gastvortrag von iPad-Lehrer André Spant konnten vier Problembereich identifiziert werden:

  1. Sozialer Problembereich (z.B. Gefahr für das Soziale Miteinander, Cyber-Mobbing, in Anlehnung an Seipold, 2013, S. 35)
  2. Rechtlicher Problembereich (z.B. Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Urheberrecht, Verbot der Nutzung von sozialen Medien in der Schule – in Anlehnung an Seipold, 2013, S. 35)
  3. Theoretischer Problembereich (Kompetenzen für mobiles Lehren und Lernen)
  4. Praktischer Problembereich (z.B. Störungen des Unterrichts durch Handyklingeln, Umsetzung von Mobile Learning)

Hier sei angemerkt, dass es sich bei dieser Kategorisierung nur um eine erste deskriptive Systematisierung der Problematiken handelt. Überschneidungen können ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. So ist beispielsweise der im zweiten Beitrag geschilderte Fall der Verbreitung von Nacktfotos als Cyber-Mobbing dem sozialen Problembereich, und als Verletzung des Rechts am eigenen Bild der rechtliche Problembereich zuzuordnen. Trotzdem können die Kategorien dabei helfen, meine weiteren Beiträge zu strukturieren.

Vier Problembereiche beim Einsatz von mobilen Endgeräten im Unterricht. Überschneidungen zwischen den einzelnen Bereichen sind möglich.

Vier Problembereiche beim Einsatz von mobilen Endgeräten im Unterricht. Überschneidungen zwischen den einzelnen Bereichen sind möglich (eigene Darstellung).

Zunächst jedoch stellte sich angesichts der angehäuften Probleme die Frage, ob der Aufwand überhaupt notwendig ist. Brauchen wir überhaupt eine neue Lernkultur, die auf Eigenverantwortlichkeit, Mobilität und Kreativität aufbaut? Bringt der Einsatz von mobilen Endgeräte überhaupt Vorteile mit sich? Nachdem ich das Interview von Herrn Spang gegenüber herrlarbig.de (Spang & Larbig, 2011) und die Online-Broschüre des Blogs „Schule im Aufbruch“ (Hüter, Rasfeld & Breidenbach, 2012) gelesen hatte, konnte ich diese Frage mit einem „Ja“ beantworten.

Darum können nun die nächsten Schritte angegangen werden. Am Anfang des Blogs stellte ich mir die folgenden Fragen:

  1. Wie stehen die Lehrer zu Handys und Co. im Schulalltag?
  2. Welche Risiken sehen die Lehrer darin, Mobile Endgeräte in ihrem Unterricht ausdrücklich zuzulassen?
  3. Wie kann die neue Lernkultur sowohl Schülern, als auch Lehrern nähergebracht werden?

Die beiden ersten Fragen konnte ich nun beantworten, die dritte Frage steht noch aus. Mittlerweile habe ich vier verschiedene Problembereiche in Hinblick auf den Einsatz der mobilen Endgeräte identifiziert. Die Problembereiche sind jedoch nur sehr oberflächlich mit Einzelbeispielen beschrieben. Aus diesem Grunde möchte ich in den folgenden Beiträgen auf jeweils einen der vier Problembereiche näher eingehen, indem ich ihn konkreter beschreibe und erste mögliche Lösungsvorschläge entwerfe. Die dritte Frage wird damit wiefolgt umformuliert:

3a. Welche Lösungsansätze gibt es für die einzelnen Problembereiche und
3b. wie können diese im Schulalltag konkret umgesetzt werden?

 

 

Never change a running system!? – Brauchen wir eine neue Lernkultur?

Baden-Württemberg gilt in vielen Bereichen als „Musterländle“ – auch bei der Bildung liegen die Schwaben auf Deutschlands Spitzenpositionen. Umso mehr verwunderte die angestrebten Bildungsreformen der grün-roten Landesregierung im vergangenen Jahr: Die baden-württembergische Regierung um Ministerpräsident Kretschmann will eine neue Lernkultur im „Ländle“ etablieren. Kein Frontalunterricht mehr, die strikte Einteilung von Haupt- und Realschule und Gymnasium wird aufgeweicht. Die Klassen werden heterogener. An die Stelle des klassischen Schulunterrichts tritt selbstständiges – oder im Beamtensprech: „selbstorganisiertes“ – Arbeiten der SchülerInnen in Gruppen. LehrerInnen werden zu „LernbegleiterInnen“, welche die SchülerInnen coachen.

Beitrag 4a

Das (Medien-)Echo auf den Reformvorschlag war vor allem eines: Empörung. BaWü gehört zu Deutschlands Spitzenreitern im Bildungsbereich. Etwas zu ändern, das bereits seit Jahrzehnten sehr gut funktioniert, traf bestenfalls auf Unverständnis. NEVER CHANCE A RUNNING SYSTEM. Studien wurden hervorgezogen, die dem klassischen Frontalunterricht eine höhere Effektivität attestierten. Die FAZ argwöhnte gar, dass sich hinter der „neuen Lernkultur“ eigentlich nur Kürzungsmaßnahmen beim Bildungsetat verstecken:

„Die gemeinsame Beschulung äußerst heterogener Gruppen braucht aber entweder viele gut ausgebildete Lehrer in kleinen Klassen oder die Etablierung des „selbstorganisierten Lernens“, der neuen Zauberformel für „individuelle Förderung“. Nachdem Ministerpräsident Kretschmann 2012 den Abbau von 11 600 Lehrerstellen angekündigt hatte, könnte die gepriesene „Neue Lernkultur“ als schlichte Rationalisierungsmaßnahme verstanden werden“ (Burchardt, 2013).

Dennoch stehen Kretschmann und Co. mit ihren Vorstellungen der neuen Schule nicht alleine da. Auch Thüringen startete mit dem NELECOM-Modell Pilotprojekte, die auf eine ähnliche Lernkultur abzielen.

Die neue Lernkultur

Kern der „neuen Lernkultur“ ist der konstruktivistische Ansatz, welche bereits im ersten Beitrag kurz vorgestellt wurde. Im Konstruktivismus (z. B. Reusser, 2006; Gestenmauer & Mandel, 1995) sollen SchülerInnen individuell nach ihren Fähigkeiten und Wissensstand gefördert werden. Dabei sollen ebenfalls Fähigkeiten wie Kreativität, Eigenständigkeit und Teamfähigkeit ausgebildet werden. Das einseitige Lehrer-Schüler-Verhältnis wird dabei etwas aufgelöst. Die LehrerInnen sind hier weniger lineare Wissensvermittler, sondern Lern-Coaches. Als solche geben sie bei Bedarf Hilfestellungen und Feedback, ansonsten lassen sie den SchülerInnen viel Gestaltungsraum (vgl. Stiller in Landesprogramm Bildung und Gesundheit NRW, o. JG.).

Beitrag 4b

Lernen mit mobilen Endgeräten als selbstbestimmtes Lernen, welches technisch unterstützt von Zeit und Raum unabhängig istwird in diesem Blog nur im Kontext des Konstruktivismus als sinnvoll erachtet. Im klassischen Unterricht lassen sich die mobilen Endgeräte kaum produktiv einsetzen. Als Ersatz für Bleistift und Papier sind sie ungeeignet, da sie zu viel Ablenkungspotenziale mit sich bringen. Außerdem würde der normale Frontalunterricht nicht den vielen Bereichungsmöglichkeiten gerecht, die mobile Endgeräte dem Unterricht bieten.

Dieses konstruktivistische Modell wurde jedoch bereits mehrfach kritisiert. So sollen vom diesem Lernansatz hauptsächlich Schülerinnen profitieren, die bereits gute Leistungen erbringen. Schwächere Schüler würden noch mehr zurückfallen. Andererseits bietet diese neue Lernkultur eine Vielzahl von Vorteilen und Chancen, welche teilweise in der Broschüre des Blogs „Schule im Aufbruch“ (Hüter, Rasfeld & Breidenbach, 2012) aufgeführt werden. iPad-Lehrer André Spang, welchen ich im letzten Beitrag kurz vorstellen durfte, zählte im Interview mit herrlarbig.de (Spang & Larbig, 2011) viele Gründe für den Einsatz von mobilen Endgeräten im Schulunterricht auf.

Zusammengefasst lassen sich folgende Argumente für ein konstruktivistisches Schulmodell und damit den Einsatz mobiler Endgeräten bei der Lehre finden:

  1. Eine veränderte Gesellschaft braucht eine neue Lernkultur: Der Blog „Schule im Aufbruch“ sieht das klassische Schulsystem als Produkt der Industrialisierung. Im 19. Jahrhundert entsprachen Massen- und Allgemeinbildung dem Zeitgeist. Doch die Zeiten der geraden Berufswege sind vorbei, es gibt keine Musterpläne mehr. Die Gesellschaft ist stärker individualisiert. Und entsprechend muss auch die Schulbildung individuell auf die einzelnen SchülerInnen angepasst werden.
  2. Teamworker sind gefragt. Projektarbeiten sind näher am späteren Uni- und Arbeitsalltag als jede andere Unterrichtsform. Es kann nur von Vorteil sein, sich früh entsprechende Kompetenzen wie (Selbst-)Organisation, Kreativität, Teamfähigkeit und Eigenständigkeit anzueignen.
  3. Globales Lernen. Vernetzung wird in einer globalisierten Welt immer wichtiger. Online lassen sich internationale Gemeinschaftsprojekte realisieren, beispielsweise mithilfe von Wikis.
  4. Jugendliche brauchen Medienkompetenz. Wie gestalte ich eine PowerPoint? Wie lege ich ein Wiki an? Wie sieht ein gutes Layout aus? Wie kann ich ein Bild bearbeiten? Wie produziere ich einen qualitativ hochwertigen Beitrag? Viele dieser Kompetenzen werden später von Universitäten und Arbeitsumfeld vorausgesetzt. Darum ist es für Schüler wichtig, sich diese Fähigkeiten möglichst früh anzueignen. Doch nicht nur im produktiven Bereich ist Meidenkompetenz wichtig: Quellenkritik (Stimmt das, was da steht? Wer hat das gesagt?), Grundlagen zu Urheber- und Persönlichkeitsrechten sowie Gefahren und Risken sozialer Medien (Stichwort: Cyber-Mobbing) sollten in einer mediatisierten Welt allen Jugendlichen geläufig sein.
  5. Mobile Endgeräte sind ein Mittel gegen Langeweile im Schulalltag. Handy und Co. können den Unterricht abwechslungsreicher gestalten und so SchülerInnen motivieren, sich intensiver mit einem Themenfeld zu beschäftigen.

Nieder mit dem Frontalunterricht?

Trotz aller Vorteile und Chancen, die mobile Endgeräte und selbstgesteuertes Lernen mit sich bringen: Es ist nicht sinnvoll, das gesamte Schulsystem komplett auf den Kopf zu stellen. Eine Lernkultur, in welcher sich jeder ausschließlich selbstgesteuert und eigenverantwortlich Wissen aneignet, wird genauso wenig erfolgreich sein, wie der reine Frontalunterricht. Hier ist ein Mittelweg zu finden. Festzuhalten bleibt dennoch, dass – erstens – der Einsatz von mobilen Endgeräten viele Vorteile mit sich bringt und – zweitens – in Hinblick auf die Medienkompetenz der SchülerInnen geradezu notwendig erscheint. Ein generelles Handyverbot an Schulen ist jedoch Schwachsinn. Hier werden zu viele Chancen, den Unterricht zu bereichern, ignoriert. zudem hat die Schule einen Bildungsauftrag, der unter anderem beinhalten, die SchülerInnen in die Gesellschaft zu integrieren. Wer in einer mediatisierten Welt Handys und Co. außen vor lässt, verletzt überspitzt gesagt diesen Auftrag.

Und zuletzt: Wo sollen Jugendliche lernen, vernünftig mit den Geräten umzugehen, wenn nicht in der Schule?