Finalbeitrag: Für jedes Problem eine Lösung!

Fast drei Monate sind mittlerweile vergangen seit dem ich beschloss, mich mit dem Einsatz von mobilen Endgeräten im Schulunterricht zu beschäftigen. Ich wählte dieses Thema zunächst aufgrund von persönlichen Erfahrungen: Als ich in die Oberstufe des Gymnasiums kam, führte meine Schule ein allgemeines Verbot von elektronischen Geräten ein: Handys, MP3-Player und ähnliches waren ab diesem Zeitpunkt auf dem Schulgelände tabu. Diese Regelung besteht noch heute.

Im Rahmen meiner Recherche für diesen Blog hatte ich mir die aktuelle Version der Schulordnung auf der Hommage meines ehemaligen Gymnasiums heruntergeladen. Unter Punkt 2 „Jugendschutz und Sicherheit der Schüler“ heißt es da: „Handys und elektronische Unterhaltungsgeräte bleiben während der gesamten Unterrichtszeit und während der Pausen ausgeschaltet.“ Für diese Regelung gibt es keine Ausnahmen. Der Einsatz von mobilen Endgeräten innerhalb des Unterrichts ist an meiner ehemaligen Schule damit nicht möglich. Mein ehemaliges Gymnasium bildet jedoch keine Ausnahme. Online, aber auch in den klassischen Nachichtenmedien werden hitzige Debatten über das Für und Wider des Handyverbots an Schulen geführt. Einer der Hauptgründe für das Schulverbot von mobilen Endgeräten sind oftmals (einmalige) soziale Verfehlungen seitens der SchülerInnen, wie beispielsweise Cybermobbing, Nacktfotos und ähnliches (vgl. Trauthig und Eberhardt, 2014; Kleemann, 2012; Straush, 2013).

Während meines Studiums jedoch machte ich immer wieder Bekanntschaft mit dem mobile-learning-Ansatz (z.B. Seipold, 2013; Mayrberger, 2010). Insbesondere im Seminar „Verändertes Lehren und Lernen mit mobilen Endgeräten“, in dessen Rahmen dieser Blog hier entstand, setzte ich mich mit dem konstruktivistischen Lernansatz auseinander. Bei diesem Ansatz sollen die Jugendlichen selbstständig und eigenverantwortlich lernen, während die LehrerInnen nur noch eine moderierende bzw. fördernde Rolle einnehmen (vgl. Stiller, o. Jg.;  Reusser, 2006; Gestenmauer & Mandel, 1995). Innerhalb des Konstruktivismus lässt sich mobile Lernen, also  selbstbestimmtes Lernen, welches technisch unterstützt von Zeit und Raum unabhängig ist, sehr gut einbetten. Auch viele Praktiker, wie beispielsweise André Spang (Spang & Larbig, 2011) oder die Herausgeber des Medienpädagogik Praxis-Blogs Rösch und Albers-Heinemann, verweisen auf die vielen Vorteile und die Notwendigkeit des Einsatzes von mobilen Endgeräten innerhalb eines konstruktivistischen Unterrichtsmodells.

Darum stellte ich mir zunächst die Frage, warum sich so viele Schulen vehement gegen Handy und Co. im Schulalltag versperren und begann zu recherchieren. Nachdem ich in der wissenschaftlichen Literatur (Seipold, 2013), in Medienberichten (Kleemann, 2013; Straush, 2013; Trauthig & Eberhardt, 2014), in Leserkommentaren von Lehrern (ebd.) gestöbert hatte stellte ich fest: Probleme beim Einsatz mit sozialen Endgeräten im Unterricht gibt es sehr viele. Die Anzahl an Herausforderungen und Problemen rund um das Thema mobiles Lernen wuchs ach einem Gastvortrag von iPad-Lehrer André Spang noch weiter an. Und erst vor wenigen Wochen entdeckte ich in einem Beitrag von Mayrberger (2010, S. 286, 293-294) mehrere Auflistungen von Herausforderungen und Problemen, die LehrerInnen beim Einsatz von mobile laerning beachten müssen. Bei deren fast schon erschlagenden Anzahl ist die Weigerung der Schulen, mobiles Lernen zu fördern fast schon nachvollziehbar.

Um einen besseren Überblick zu erhalten begann ich darum, die Probleme in vier Bereiche zu strukturieren:

  1. Sozialer Problembereich (z.B. Gefahr für das Soziale Miteinander, Cyber-Mobbing, in Anlehnung an Seipold, 2013, S. 35)
  2. Rechtlicher Problembereich (z.B. Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Urheberrecht, Verbot der Nutzung von sozialen Medien in der Schule – in Anlehnung an Seipold, 2013, S. 35)
  3. Theoretischer Problembereich (Kompetenzen für mobiles Lehren und Lernen)
  4. Praktischer Problembereich (z.B. Störungen des Unterrichts durch Handyklingeln, Umsetzung von Mobile Learning)

Als ein erstes Problem stellte sich die Überlappung der einzelnen Problembereiche heraus. So ist die Verbreitung von Nacktfotos als Cyber-Mobbing dem sozialen Problembereich, und als Verletzung des Rechts am eigenen Bild der rechtliche Problembereich zuzuordnen. Trotzdem sah ich die Kategorien als Möglichkeit, grundsätzliche Lösungsansätze für verschiedene Problemtypen zu erarbeiten. Diese Aufgabe nahm ich mir für den zweiten Teil meines ePortfolios vor.

Problemfelder beim Einsatz mobiler Endgeräte im Schulunterricht. Eigene Darstellung.

Problemfelder beim Einsatz mobiler Endgeräte im Schulunterricht. Eigene Darstellung.

Damit hatte ich mir eine regelrechte Mammutaufgabe gestellt. Zwar gelang es mir, einzelne Lösungsansätze aus der Literatur und aus der Internetrecherche zusammenzutragen (siehe Tabelle bzw. Beiträge 5 bis 10). Als auf einen Problembereich zugeschnittenen allgemeinen Lösungsansätze können meine Vorschläge nur mit Einschränkungen gelten. Zum einen könnten durchaus Einzelprobleme, die einem Problembereich angehören, von mir bislang jedoch nicht berücksichtigt wurden, auftreten. Zum anderen müssen meine Lösungsansätze, vor allem jene, die nicht durch wissenschaftliche Literatur gestützt sind, empirisch evaluiert werden. Zudem schränken die zuvor erwähnten Überschneidungen der Problembereiche die Gültigkeit eines auf nur einen Bereich zugeschnittenen Lösungsansatzes unter Umständen ein.

Tabelle: Beschreibung der Problemfelder und deren jeweiligen Lösungsansätze. Eigene Darstellung.

Bild

 

Für jede Lösung ein Problem? – Kritische Würdigung

Dennoch: Angesichts der geradezu erschlagenden Anzahl an Einzelproblemen, welche bei der Umsetzung von mobilem Lernen auftreten (können), scheint es es mir immer noch als richtiger Ansatz, diese in Problembereiche zusammenzufassen und für jeden Bereich eine Art allgemeines Lösungskonzept – vergleichbar mit einem Grundrezept beim Kochen – zu erarbeiten. Denn viele Probleme sind individueller Natur. Für jedes Einzelproblem eine individuelle Lösung zu erarbeiten, kann die Wissenschaft nicht leisten. Was sie jedoch leisten kann, ist, grundlegende Lösungsstrategien zu konzepieren und zu evaluieren, welche dann jeweils auf die spezifischen Einzelfälle angepasst werden können. Nur so kann den LehrerInnen die Angst vor dem Einsatz mobiler Endgeräte im Unterricht genommen werden.

Die hier im Blog erarbeitete Einteilung in vier Problembereiche kann als ein erster Versuch gesehen werden, die Herausforderungen zu strukturieren. Die Kategorien müssen nun noch weiterentwickelt werden.

 

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