Ist das praktisch umsetzbar? – Lösungen für unterrichtspraktische Probleme

Ein bekanntes Sprichwort im Forschungskontext besagt: Es gibt nichts praktischeres als eine gute Theorie. In meinem vorigen Beitrag bin ich darauf eingegangen, wie das theoretische Konzept der Medienkompetenz im Unterrichtsalltag praktisch vermittelt werden kann. Dieser Beitrag hier beschäftigt sich, wie Schulen und LehrerInnen mobile Endgeräte allgemein in den Unterricht einführen können und wie mit alltagspraktische Problemen umgegangen werden kann.Folie2

Seipold (2013, S. 42-44) stellt drei Ansätze zur Implementierung von mobilem Lernen in die Unterrichtspraxis vor: Den „Top-Down-Ansatz“, den „Bottom-Up-Ansatz“ und  den „Affordance-Ansatz“.

Beim Top-Down-Ansatz stellt die Schule die Infrastruktur für mobiles Lernen und versorgt die SchülerInnen mit den erforderlichen Geräten. Es werden bei diesem Ansatz also „Mobiltechnologien auf bestehende Unterrichtsstrukturen aufgesetzt“ (Seipold, 2013, S. 42). Ein klarer Vorteil ist die Chancengleichheit, welche das Konzept mit sich bringen: Alle SchülerInnen werden mit den gleichen Geräten ausgestattet und haben somit die selben technischen Voraussetzungen. Nachteile sind, dass die Schule somit die Handlungsspielräume der Lernenden und Lehrenden stark einschränkt. Zudem ist das Konzept mit einem hohen Kostenaufwand verbunden. Die Geräte sind teuer. Zudem hinzu kommt, dass sich die Technologie rasend weiterentwickelt. Die neusten Geräte von heute sind in einem Jahr veraltet und können nicht alle Neuheiten und Innovationen bieten. Die Schule müsste ihren Gerätebestand ständig aktualisieren. Dies kann sich fast keine Bildungsinstitution leisten (vgl. ebd.).

Darum bietet sich für die meisten Schulen zunächst der Bottom-Up-Ansatz an. Zusammen mit dem Konzept wird oft das Schlagwort „Bring your own device“ genannt. Hier wird auf die bestehenden Ressourcen der Lehrenden und Lernenden zurückgegriffen, die SchülerInnen arbeiten meist mit ihren eigenen Geräten, mit welchen sie bestens vertraut sind. Ein Briefing im Umgang mit den Geräten entfällt damit zunächst. Zudem entstehen so keine weiteren Kosten für die Schule. Praktisch ist das Konzept mittlerweile sehr gut umsetzbar, da mittlerweile jeder Schüler und jede Schülerin ein Smartphone, Tablett oder ähnliches besitzt (siehe JIM-Studie 2013: MPFS, 2013b). Der Bottom-Up-Ansatz bezieht sich nicht nur auf die technische Ausstattung, sondern impliziert ebenfalls, dass die „in erster Linie im Alltag der Lernenden begründete Themen, Interessen, Kompetenzen, Expertisen, Wissen etc.“ (Seipold, 2013, S. 44) im Fokus stehen und von den SchülerInnen in den Unterricht eingebracht werden. Die Lehrenden nehmen somit nur eine moderierende Rolle im konstruktivistischen Sinne ein. Ein Problem des Bottom-Up-Ansatzes ist die Ungleichverteilung der Ressourcen. SchülerInnen, die ältere Geräte besitzen könnten benachteiligt werden. Zudem könnten Kompatibilitätsprobleme (z.B. eine bestimmte App ist nicht für alle Betriebssysteme geeignet) den Unterrichtsfluss hemmen.

An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Erfahrungsbericht einbringen. Im Rahmen des Seminars, in welchem auch dieser Blog entsteht, hatten wir die Aufgabe, eine Unterrichtsstunde mit mobilem Lernen zu gestalten. Unsere Gruppe entschied sich für die Lernapp „Lisa taucht ab!“. Diese App soll Kindern den bewussten Umgang mit Wasser vermitteln, indem innerhalb einer Spiel-und-Spaß-Geschichte Informationen über den Wasserkreislauf, Kläranlagen, Wasserverschwendung und -verschmutzung vermittelt und Möglichkeiten zum Wassersparen aufgezeigt werden. Die App wird von der Europäischen Kommission kostenlos zur Verfügung gestellt und ist in mehreren Sprachen erhältlich. Das besondere an dieser App ist zudem, dass sie für alle wichtigen Smartphone-Betriebssysteme erhältlich ist und sich auch auf Tabletts installieren lässt.  Sie ist damit durchaus geeignet für einen Bottom-Up Einsatz.

Das Beispiel soll vor allem eines verdeutlichen: Mittlerweile sind die Entwickler von Learnings-Apps soweit, dass sie ihre Software für die verschiedensten Arten von mobilen Endgeräten anbieten, sodass die bereits erwähnten Kompatibilitätsprobleme in Zukunft vermutlich weniger auftreten werden. Zudem existiert massenweise kostenlose Software. LehrerInnen können sich Anregungen im bereits erwähnten Medienpädagogik-Praxis-Blog holen. Eine gute Grundlage bietet die Linksammlung „Praxisbeispiele und Inspirationen für medieninteressierte Lehrende“ im ePortfolio meiner Kommilitonin.

Das letzte Implementierungskonzept ist der Affordance-Ansatz. Dieser besagt, dass mobile Endgeräte nur eingesetzt werden, „wenn die Nutzenden die Notwendigkeit dazu sehen oder sie von der Lehrperson vereinzelt und gezielt als didaktisches Mittel eingesetzt werden“ (Seipold, 2013, S. 44). Der Einsatz der mobilen Endgeräte ist demnach nicht immer zwingend erforderlich, die Geräte werden nur bei Bedarf verwendet. Laut Seipold (ebd.) findet dieser Ansatz am häufigsten Verwendung, da er sich am leichtesten im Schulalltag integrieren lässt: Sie erlauben „eine Variation der Methoden im didaktischen und Lernalltag, indem sie den Unterricht je nach Bedarf öffnen, ihn mit Instruktionslernen oder kommunikativ und diskursiv geprägten Lerngruppen gestalten, sich ausschließlich auf schulische Lernmaterialien konzentrieren oder auch Ressourcen aus dem Alltag zulassen etc.“ (ebd.). Für diesen Ansatz zwingend sei jedoch eine stabile Infrastruktur, die den SchülerInnen auch außerhalb der Schule zugänglich ist (vgl. Seipold, 2013, S. 44).

Nachdem ich nun die Implementierungsansätze für mobile Endgeräte im Unterricht vorgestellt habe, möchte ich noch kurz zwei Probleme aus dem praktischen Bereich anreisen, welche mir befreundete Lehramtanwärter in Diskussionen immer wieder aufzeigten.

Problem: Die Technik streikt

Man gibt sich Mühe, eine spannende und abwechslungsreiche Unterrichtsstunde mithilfe von mobilen Endgeräten zu gestalten – und dann funktioniert die Technik nicht. Klar, dass LehrerInnen da im Zweifelsfall eher auf die klassischen – analogen – und damit zickenfreien Methoden zurückgreifen. iPad-Lehrer André Spang erwiderte in unserer Abschlussdiskussion auf die technischen Tücken angesprochen, dass er immer einen analogen Plan B in der Tasche hat. Auf die Frage, ob dass nicht doppelte Aufwand sein, antwortete er, dass ein Plan B immer vorbereitet werden muss.

Problem: Störungen des Unterrichts/Ablenkung der Schüler durch mobile Endgeräte

Bezüglich des Einsatzes von mobilen Endgeräten im Unterricht bietet es sich an, zunächst klare Regeln mit den SchülerInnen zu vereinbaren. Zudem wage ich zu behaupten dass das Potenzial eine Ablenkung eher minimiert wird, wenn die Lernenden aktiv und produktiv mit besagter Ablenkungsmöglichkeit arbeiten müssen. Sollte zwischendurch dennoch mal gechattet oder geziemst werden, sollten LehrerInnen bedenken: Was frühe die Zettelchen unter dem Tisch waren, sind heute SMS und Whatsapp. Ein, zwei Nachrichten werdend dem Unterricht nicht schaden. Sollte es ausufern kann sich der Lehrende auf die vereinbarten Regeln berufen und entsprechende Sanktionen durchsetzen.

Fazit: Der Einsatz mobiler Endgeräte mag in der Praxis Probleme mit sich bringen. Diese sind jedoch lösbar.

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