Wissen – Nutzen – Gestalten – Hinterfragen

Da ich nun vier Problembereiche der Medienpädagogik identifiziert haben, möchte ich nun versuchen, Lösungsansätze für jeden einzelnen zu finden. Damit habe ich mir keine sehr leichte Aufgabe gestellt, da sich (wie schon geschildert) alle Problembereiche überschneiden. Zugleich ist die Unterteilung sehr grob, jeder Bereich ist weitaus komplexer als ich in meinem Modell darstelle. Trotzdem hilft diese Einteilung, einzelnen Problembereiche anzugehen.Folie3

Die Probleme beginnen schon in der Theorie

Ich werde mich zunächst dem theoretischen Problembereich widmen, da für diesen schon zahlreiche theoretische Ansätze vorhanden sind. Der theoretische Problembereich dreht sich um Kompetenz. Zum einen um die Kompetenz der LehrerInnen. Viele tun sich deshalb beim Einsatz mobiler Endgeräte schwer, da sie um deren Potenziale und Einsatzmöglichkeiten nicht wissen oder – im schlimmsten Falle – diese nicht bedienen können. Kritiker des Einsatzes von mobilen Endgeräten in der Schüler argumentieren, dass die SchülerInnen den LehrerInnen technologisch viel zu weit voraus sind. Doch dieser Eindruck täuscht: Laut André Spang würden viele SchülerInnen die mobilen Medien nur passiv nutzen, also ausschließlich Inhalte rezipieren. Die meisten Jugendliche wüssten nicht, wie mittels Handy und Tablett produktiv im Sinne von kreativ und gestalterisch gearbeitet werden kann. Die Medienkompetenz der Jugendlichen ist demnach nicht so ausgeprägt, wie viele Erwachsene meinen. Sie muss geschult werden. Dabei sollten die Schüler nicht nur lernen, wie Medien produktiv eingesetzt werden können, sie sollten auch um die Gefahren wissen, die von mobilen Endgeräten ausgehen.

Medienkompetenz als Schlüssel

Das ist Aufgabe der aufklärenden und reflektierenden Medienpädagogik (Süss, Lampert & Wijnen, 2013, S. 96; Fromme & Jörissen, 2010, S. 49). In diesem Kontext taucht besonders häufig der Begriff der Medienkompetenz auf. Fromme und Jörissen (2010) stellten bereits fest, dass das Konstrukt Medienkompetenz nur sehr schwer greifbar ist. Es existieren zahlreiche Definitionen, die sich alle unterscheiden. Im Kern beinhalten jedoch alle dasselbe: Der Rezipient ist den Medien nicht schutzlos ausgeliefert, wie es die Wirkungs- und Rezipientenforschung zwischen 1950 und 1990 immer suggerierte (z.B. der Kultivierungsansatz nach Gerbner). Medienwirkungen sind zwar vorhanden, die Rezipienten sind jedoch nicht wehrlos. Vielmehr setzen sich kompetente Rezipienten aktiv und selbstbestimmt mit Medieninhalten auseinander. Aufgabe der Medienpädagogik ist es nun, dafür zu sorgen, die Medienkompetenz der Rezipienten zu schulen, sodass diese selbstbestimmt, kritisch und verantwortungsvoll mit den Medieninhalten umgehen können (vgl. Fromme & Jörissen, 2010, S. 48-49). Theunert beschreibt diese Aufgabe wiefolgt:

„Medienkompetenz in der Multimedia-Welt zu befördern heißt, allen zu ermöglichen, sich die Systeme zugänglich zu machen, deren Strukturen und Angebote selbstbestimmt und kritisch zu nutzen, sich der technischen Möglichkeiten für eigene Zwecke zu bedienen; und es heißt nicht zuletzt, die Bedeutung der Systeme für das individuelle und gesellschaftliche Leben zu begreifen und einzuschätzen“ (Theunert, 1996, S. 68).

Medienkompetenz oder Medienbildung?

In der jüngeren Vergangenheit wurde diskutiert, inwieweit der Medienkompetenz-Begriff noch zeitgemäß ist. Kritisiert wurde hauptsächlich, dass Medienkompetenz ausschließlich als Ergebnis oder Ziel von Medienpädagogik betrachtet wird. Dieses Konzept beschränkt sich zudem nur auf die Beziehung von Rezipient (hier: Subjekt genannt) und Medien, weniger auf die Beziehung Mensch und Welt. Darum wurde vielfach das Konzept der Medienbildung als Alternative vorgeschlagen (vgl. Fromme & Jörissen, 2010; Schorb, 2009). Doch gerade der statische Charakter des Medienkompetenz-Konzepts und seine Medienfokussierung erleichtern sowohl seine empirische als auch seine praktische Anwendbarkeit. Darum werde ich – aller berechtigter Kritik zum Trotz – auf diesen Ansatz zurückgreifen, das er meiner Meinung nach für die Generierung von Lösungsansätzen am geeignetsten erscheint.

Medienkompetenz

Medienkompetenz: Vier-Dimensionen-Ansatz nach Baacke (1997). Eigene Darstellung.

Einer der ältesten und bewährtesten Medienkompetenz-Ansätze ist der nach Baacke (1997). Bei Baacke setzt sich die Medienkompetenz des Einzelnen aus der Medienkritik, der Medienkunde, der Mediennutzung und der Mediengestaltung zusammen. Die Dimension Mediennutzung umfasst das technische Wissen, um mobile Endgeräte nutzen zu können. Hinter Mediengestaltung steckt die Fähigkeit, mobile Endgeräte produktiv (vgl. André Spang) zu nutzen, und nicht nur Inhalte zu rezipieren. Die Medienkritik-Dimension meint, dass der einzelne die Gefahren und Risiken der mobilen Endgeräte kennt und entsprechend handelt. Etwas abstrakter ist die Dimension Medienkunde. Damit ist gemeint, dass das System der Medien bekannt ist.  Ich weiß also, wie das System oder die Vernetzung der mobilen Endgeräte funktioniert und wie es dadurch zu Vorteilen, aber auch Risiken kommen kann (vgl. Baacke, 1997; Mikos, 2010, S. 29). Sowohl LehrerInnen als auch SchülerInnen sollten über diese Medienkompetenz verfügen. In meinem nächsten Beitrag soll erläutert werden, wie diese beiden Gruppen vermittelt werden könnte.

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