Zwischenfazit

Handys, Tabletts und andere mobile Endgeräte sind im Alltag der Jugendlichen längst integriert (vgl. MPFS, 2013a; 2013b; 2013c; 2013d). Für vielen Schulen sind die Geräte nichts anderes als Störenfriede und Ursachen sozialer Probleme. Die Folge: generelles Handy-Verbot auf dem Schulgelände. Dabei spielt sich der Grabenkampf um die mobilen Endgeräte nicht mehr nur auf den unterrichtspragmatischen und kulturpessimistischen Ebenen ab.

Seit einigen Jahren propagieren junge LehrerInnen und Pädagogen, wie beispielsweise André Spang, den Einsatz der mobilen Endgeräte im Unterricht und zählen die Möglichkeiten auf, die Technologie im im Schulalltag sinnvoll einzusetzen:  Informationen können recherchiert, Orte auf Google Maps nachgesehen, Lernvideos heruntergeladen, Dateien ausgetauscht, Texte geteilt, Powerpoint-Präsentationen erstellt, Aufgabenblätter und To-Do-Listen in der Cloud gemeinsam bearbeitet werden (vgl. Spang & Larbig, 2011). Mobiles Lernen, also selbstbestimmtes Lernen, welches technisch unterstützt von Zeit und Raum unabhängig ist, ist der neue Bildungs-Trend.

Unterstützung bekommen die Technologie-Euphoriker aus der konstruktivistischen Pädagogik (u. a. Stiller, o. Jg.;  Reusser, 2006; Gestenmauer & Mandel, 1995). Hier ist nicht mehr das Ziel, alle SchülerInnen auf den gleichen Bildungsstand zu trimmen. Vielmehr sollen die Jugendlichen selbstständig und eigenverantwortlich lernen, während die LehrerInnen nur noch eine moderierende bzw. fördernde Rolle einnehmen. Bei diesem Ansatz stehen Gruppenarbeiten und Projekte im Vordergrund. Hierbei können Handy und Co besonders sinnvoll eingesetzt werden, da sie viele Programme bzw. Apps anbieten, mit welchen kleinere, vor allem kreative Projekte erstellt werden können (vgl. Rösch & Albers-Heinemann, 2014). Auch der Austausch und die Vernetzung von Informationen fällt mithilfe der internetfähigen Hardware besonders leicht. Mobiles Lernen wir hier also einer Lernkultur im konstruktivistischen Sinne untergeordnet. Selbstverständlich lassen sich Handy und Co. auch im klassischen Schulunterricht einsetzen. Hier können sie jedoch nicht ihr volles Potenzial entfalten. Wahrscheinlicher ist hier, dass sich die Geräte sich tatsächlich als die Störenfriede erweisen, als die sie vom Großteil der Lehrenden gesehen werden.

Trotz der vielen Vorteile sind mobile Endgeräte längst nicht im Schulalltag angekommen. Das erste Ziel des Blogs war es, herauszufinden, warum sich viele Schulen gegen den Einsatz der Technologie sträuben. Nach Stöbern in der wissenschaftlichen Literatur (Seipold, 2013), in Medienberichten (Kleemann, 2013; Straush, 2013; Trauthig & Eberhardt, 2014), in Leserkommentaren von Lehrern (ebd.) sowie nach einem Gastvortrag von iPad-Lehrer André Spant konnten vier Problembereich identifiziert werden:

  1. Sozialer Problembereich (z.B. Gefahr für das Soziale Miteinander, Cyber-Mobbing, in Anlehnung an Seipold, 2013, S. 35)
  2. Rechtlicher Problembereich (z.B. Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Urheberrecht, Verbot der Nutzung von sozialen Medien in der Schule – in Anlehnung an Seipold, 2013, S. 35)
  3. Theoretischer Problembereich (Kompetenzen für mobiles Lehren und Lernen)
  4. Praktischer Problembereich (z.B. Störungen des Unterrichts durch Handyklingeln, Umsetzung von Mobile Learning)

Hier sei angemerkt, dass es sich bei dieser Kategorisierung nur um eine erste deskriptive Systematisierung der Problematiken handelt. Überschneidungen können ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. So ist beispielsweise der im zweiten Beitrag geschilderte Fall der Verbreitung von Nacktfotos als Cyber-Mobbing dem sozialen Problembereich, und als Verletzung des Rechts am eigenen Bild der rechtliche Problembereich zuzuordnen. Trotzdem können die Kategorien dabei helfen, meine weiteren Beiträge zu strukturieren.

Vier Problembereiche beim Einsatz von mobilen Endgeräten im Unterricht. Überschneidungen zwischen den einzelnen Bereichen sind möglich.

Vier Problembereiche beim Einsatz von mobilen Endgeräten im Unterricht. Überschneidungen zwischen den einzelnen Bereichen sind möglich (eigene Darstellung).

Zunächst jedoch stellte sich angesichts der angehäuften Probleme die Frage, ob der Aufwand überhaupt notwendig ist. Brauchen wir überhaupt eine neue Lernkultur, die auf Eigenverantwortlichkeit, Mobilität und Kreativität aufbaut? Bringt der Einsatz von mobilen Endgeräte überhaupt Vorteile mit sich? Nachdem ich das Interview von Herrn Spang gegenüber herrlarbig.de (Spang & Larbig, 2011) und die Online-Broschüre des Blogs „Schule im Aufbruch“ (Hüter, Rasfeld & Breidenbach, 2012) gelesen hatte, konnte ich diese Frage mit einem „Ja“ beantworten.

Darum können nun die nächsten Schritte angegangen werden. Am Anfang des Blogs stellte ich mir die folgenden Fragen:

  1. Wie stehen die Lehrer zu Handys und Co. im Schulalltag?
  2. Welche Risiken sehen die Lehrer darin, Mobile Endgeräte in ihrem Unterricht ausdrücklich zuzulassen?
  3. Wie kann die neue Lernkultur sowohl Schülern, als auch Lehrern nähergebracht werden?

Die beiden ersten Fragen konnte ich nun beantworten, die dritte Frage steht noch aus. Mittlerweile habe ich vier verschiedene Problembereiche in Hinblick auf den Einsatz der mobilen Endgeräte identifiziert. Die Problembereiche sind jedoch nur sehr oberflächlich mit Einzelbeispielen beschrieben. Aus diesem Grunde möchte ich in den folgenden Beiträgen auf jeweils einen der vier Problembereiche näher eingehen, indem ich ihn konkreter beschreibe und erste mögliche Lösungsvorschläge entwerfe. Die dritte Frage wird damit wiefolgt umformuliert:

3a. Welche Lösungsansätze gibt es für die einzelnen Problembereiche und
3b. wie können diese im Schulalltag konkret umgesetzt werden?

 

 

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Ein Gedanke zu “Zwischenfazit

  1. Liebe Franziska,
    die Art und Weise, wie Sie Ihr ePortfolio in den letzten Wochen weiterentwickelt haben, freut mich. Es ist deutlich erkennbar, welches Lernziel Sie verfolgen und gleichzeitig lässt sich die Entwicklung Ihrer Themen- bzw. Fragestellung sehr gut nachvollziehen. Gut gelungen finde ich, wie Sie einerseits den Input aus dem Seminar, aber andererseits auch den aktuellen gesellschaftlichen Diskurs in Ihre Gedanken aufgenommen haben und so Ihr ePortfolio weiterentwickeln konnten. Die Ausarbeitung der vier Problembereiche ist gut nachvollziehbar und bietet Ihnen so einen guten theoretischen Rahmen für Ihre weiteren Überlegungen. Vielleicht finden Sie bei Ihren Beobachtungen noch das ein oder andere Artefakt, mit dem Sie Ihre theoretischen Überlegungen im ePortfolio anreichern können. Ich bin gespannt, welche Antworten Sie auf Ihre letzten Fragen in den nächsten Wochen finden werden.
    Formal ist Ihr ePortfolio sehr gut gelungen, machen Sie weiter so!

    Viele Grüße,
    Kathrin Galley

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